Funktionen der Almwirtschaft, Integralprojekte
Die Almbewirtschaftung diente früher hauptsächlich bäuerlichen Zielen. Genannt seien die Erweiterung des Futterangebotes und des Viehstandes, Senkung der Aufzuchtkosten, Brechen der Arbeitsspitzen am Heimhof, Verbesserung der Tiergesundheit sowie die Erzeugung höchstwertiger LEBENSmittel.
Neben diesen zahlreichen Nutzfunktionen der Viehalpung für die Landwirtschaft weisen die Almen heute aber zusätzlich Funktionen auf, die weit über den bäuerlichen Bereich hinausgehen und deren Bedeutung für die Gesamtbevölkerung laufend steigt. Die Attraktion des Landschaftsbildes wird durch Offenhaltung des Geländes und durch bewirtschaftete und mit Vieh bestoßene Almen sehr stark angehoben.
Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren in der Almregion äußerst hoch ist bedingt durch verschiedene an Gelände, Boden- und Wasserverhältnisse angepasste Nutzungsintensitäten, durch den vielgestaltigen Wechsel von Weiden, Sträuchern und Baumgruppen sowie wertvollen Biotopen.
Geborgenheit ausstrahlende Hütten und weidendes Vieh inmitten weitläufiger Almen vermitteln dem Erholungssuchenden ein Erlebnis der Sinne abseits des Alltags. Die Anwesenheit von Almpersonal, der Genuss von Almprodukten und die gelebte Almkultur sind besondere Anziehungspunkte.
Gesundheitliche Aspekte für Mensch und Tier
- Sonnenbestrahlung
- gedrungenes Wachstum
- Vitaminbildung (besonders Vitamin D)
- Nährstoffgehalt des Futters
- bakterientötende Kraft (Bakterizidie)
- Rachitisheilung
- Ca-Einbau in Knochen
- Stoffwechsel
- Blutbildung
- hoch-ionisierte, bakterienfreie Bergluft
20.000 Ionen pro cm³ in Bergluft gegenüber 20 in Bürobereichen oder 600 am Meer (siehe Dr. Töth: Almwirtschaft und Gesundheit)
Versuche nach Dr. von Freudenreich:
SH 570m 100 Bakterien/cm³ SH 1861m 8 Bakterien/cm³ SH 3975m 0 Bakterien/cm³
Höhenkurort für das Vieh, Wirkung besonders ab 1500m SH
- Kraft des Berg-Quellwassers
- freie Bewegungsmöglichkeit mind. 12 bis 24 Stunden, natürlicher Almweidegang (J. Spann)
- Die äußeren Körperteile werden günstig beeinflusst
Es werden beim heranwachsenden Jungvieh alle Muskeln, Sehnen Bänder, Gelenke und Knochen im höheren Maß gestärkt als dies auf Flachlandweiden der Fall ist. Die Klauen werden in natürlicher Weise abgenützt und in ihrer Hornmasse gehärtet.
- Einfluss der Bewegung auf die inneren Organe
Durch den Almgang werden Herz und Lunge gekräftigt, weiters sind günstige Auswirkungen auf den Blutkreislauf, den Darmkanal, die Drüsentätigkeit und damit auf die Verdauung festzustellen. Durch die reichliche Muskeltätigkeit tritt auch eine Erhöhung des Stoffwechsels ein, eine bessere Futterverwertung und ein erhöhter Fleischansatz sind die Folge.
- Almvorbereitung mit Training der Bewegungsorgane
2-3 Wochen vor Almbeginn, Laufstall mit ausreichend Bewegungsmöglichkeit, Auslauf auf die Weide, Temperaturabhärtung, Klauenpflege, Impfung
- selektive Futteraufnahme der besten Gräser und Kräuter beeinflusst die Gesundheit, die Inhaltsstoffe und den Geschmack von Fleisch und Milch
- artgerechte Tierhaltung, ausreichend Wasserangebot auf der Weide oder im Stall
- Alpines Paradox, CLA-Gehalte in der Almmilch, Omega 3 Fettsäuren - siehe Weiterführende Unterlagen
- Eiweißfragmente mit blutdrucksenkender Peptide VPP und IPP besonders reichlich in Almkäse vorhanden (Bakterienstamm Lactobacillus helveticus spielt eine bedeutende Rolle, dieser komme in der Rohmilch vor, was möglicherweise den Gehalt an bioaktiven Peptiden von Rohmilchkäse fördert) (Forschungsanstalt Agroscope ALP, Liebefeld)
Ökonomische Funktionen
- Einnahmen aus Produktion
- Positive Beeinflussung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere
- Erzeugung biologisch hochwertiger Naturprodukte
- Milch, Butter, Käse
- Fleisch
- Holz
- Wertschöpfungssteigerung durch Milchverarbeitung und Markenfleischprogramme
- Verbesserung der bäuerlichen Existenzgrundlage, zum Teil sogar Haupteinkommen aus der Almbewirtschaftung mit Einnahmen aus Dienstbarkeitsverträgen, Vermietungen oder dem Tourismus
- Senkung der Aufzuchtkosten (ca. 30 % beim Jungvieh)
- Brechen der Arbeitsspitzen im Sommer bei gemeinschaftlicher Bewirtschaftung, dadurch Erleichterung für Voll-, Zu- oder Nebenerwerbsbetriebe
- Erhöhung der Futtergrundlage um 1/4 bis 1/3
- Lebensraum für Rot- und Gamswild, geht die Kuh geht auch das Wild!
- Bienenhaltung
- Almholzvermarktung
- Trinkwasser
- Einnahmen aus Vermietung / Verpachtung
- Jagdpacht
- Einnahmen aus Tourismus (Nächtigungen, Hüttenvermietung, Dienstbarkeitsverträge mit Liftgesellschaften, Jausenstation)
- Öffentliche Direktzahlungen: Ausgleichszulage, Extensivierungsprämie, Alpungs- und Behirtungsprämie, Investitions-Förderung
Erholungs- und Wohlfahrtsfunktionen
- freie Sicht in offener Landschaft statt dichtem Wald
- Reichlich Strukturelemente in der Landschaft
- Ausreichende Zugänglichkeit (Wege, Steige, Brücken)
- Versorgungseinrichtungen (Jausenstation)
- Belebter Raum (Almpersonal, Vieh)
- Grundlage für den Wintersport (Pistenfläche)
- Sauerstoffproduktion 8 t pro ha (Wald 2,7t/ha)
Ökologische Funktionen
- Erhaltung von Grünlandflächen
- Bewahrung natürlicher Ressourcen
- Erhaltung geschlossener Ökosysteme
- höchster Artenreichtum beim Wechsel zwischen Weideflächen und Wald, typische Pflanzengesellschaften
- Saumbiozönosen in lichten Weidewäldern
Schutzfunktionen
Schutz durch Abweiden des Pflanzenbestandes/Verhinderung von Elementarschäden, wie:
- Lawinen: bewachsene Trittgangeln, kurz gehaltenes Gras
- Erosionen: rasche Sanierung durch anwesendes Almpersonal, geschlossene Grasnarbe wirkt Erosionen entgegen
- Muren: frühzeitiges Erkennen und Sanieren
- Rutschungen: geschlossene Grasnarbe wirkt entgegen
- Verbesserung des Wasserspeichervermögens
- Ausleitungsbauwerke mit Retentionsflächen
- der Klimawandel wirkt sich verstärkt auf den Bergraum aus, pflechliche Almbewirtschaftung und fachgerechtes Weidemanagement gewährleisten weiterhin die Schutzfunktionen der Almen.
Sozio-kulturelle Funktionen
- Almbewirtschaftung gehört zur bergbäuerlichen Kultur und Identifikation, prägen das Bild des Bergraumes
- in Jahrtausenden entstandene Kulturlandschaft mit typischen Gebäuden
- Zusammenleben von Hirten, SennerInnen, Jäger, Wilderer und Almvieh, im Almsommer verblieben Bauersleute im Tal usw.
- daraus entstehen Volkslieder, Sagen und Geschichten
- Almfeste sind wowohl bei Einheimischen als auch Gästen beliebt
- Christliches und heidnisches Brauchtum
- echtes Brauchtum belebt den ländlichen Raum, erhöht die Lebensqualität des Bauern und beeinflusst die Entscheidung der bäuerlichen Jugend zur Weiterführung oder Übernahme der Bauernhöfe wesentlich
- Bewahrung hochalpiner Wirtschaftsformen
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