Arten verlieren ständig Lebensräume

URSULA KASTLER, SN v. 25.07.2017 S. 17 Wissen/Gesundheit

Wegen der unkontrollierten Ausweitung der Landnutzung, vor allem in den Tropen, könnten dort bis zu einem Drittel aller Wildtierarten verloren gehen. Aber auch in Europa ist die Landwirtschaft aus Sicht der Naturschützer zu intensiv. SALZBURG, BERLIN. Klar ist, dass der Klimawandel Lebensräume und die Artenvielfalt verändert. Was beim Verlust der Arten oft aus dem Blick gerät, ist die Landnutzung. Der weitaus größte Teil der Rückgänge und der Verluste von Arten geht auf das Konto der intensiven Landwirtschaft. Werden Flüsse begradigt und die Ufer bebaut, Wälder gerodet und für die Landwirtschaft genutzt, gehen Lebensräume oft vollständig verloren. Monokulturen wie Mais, Ölpalmen, Zuckerrohr, Soja, Weizen oder Fichten bedecken großflächig ursprünglich artenreiche Landschaften. Auch Massentierhaltung lässt wenig Platz für Artenvielfalt.

Die Frage, wie man die Welt ernährt, ohne sie zu zerstören, ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Die Weltbevölkerung nimmt zu, Konsummuster verändern sich, und damit die Nachfrage nach Agrargütern. Forscher der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und nationale und internationale Kollegen zeigen in einer Studie, welche weitreichenden Folgen die Ausweitung der Agrarproduktion für die Artenvielfalt haben könnte.

Die Wissenschafter stellen fest, dass vor allem Afrika südlich der Sahara noch große Potenziale für die Steigerung landwirtschaftlicher Produktion aufweist, einerseits der Intensivierung von bestehenden landwirtschaftlichen Flächen und andererseits der Umwandlung der Ökosysteme in neue Agrarflächen. Diese Region ist ein Schnittpunkt des wirtschaftlichen, demografischen und landwirtschaftlichen Wachstums. Nur wenige Gebiete sind unter Schutz gestellt. Es zählt vor allem, die Armut zu bekämpfen.

Neben Afrika werden Wildtiere voraussichtlich am drastischsten in den verbleibenden Naturgebieten Lateinamerikas verloren gehen, wie Laura Kehoe vom Institut für Geographie der HU berichtet: "Wir versuchen, diesen Rückgang der Tierwelt global mit einer bisher nicht erreichten räumlichen Genauigkeit von einem Quadratkilometer abzuschätzen. Wir können dies, weil wir auf neue Datensätze über Landnutzung und biologische Vielfalt zurückgreifen können, die ihrerseits auf Tausenden von Studien auf der ganzen Welt fußen."

Der Ort mit dem höchsten Gefährdungspotenzial liegt nach ihren Berechnungen im peruanischen Amazonas, wo infolge landwirtschaftlicher Expansion und Intensivierung bis zu 317 Arten verloren gehen könnten.

Was können die Nationen tun? Wenn Politiker langfristig denken, sollten sie Wege finden, um Lebensmittel auf nachhaltigere Weise anzubauen.

Bei einem nachhaltigen Anbau geht es darum, ohne den exzessiven Einsatz von chemischen Düngemitteln, Pestiziden, Fungiziden hohe Erträge zu erzielen. Die Fruchtbarkeit des Bodens wird durch organische Dünger, Kompost, Gründüngung und eine vielseitige Fruchtfolge gefördert. Zur Schädlings- und Unkrautbekämpfung nehmen Bauern Pflanzenpräparate wie Brennnesseljauche oder Algenextrakte. Vorbeugend gegen Krankheiten und Schädlinge werden bevorzugt robuste Sorten angepflanzt.

So weit die Wunschliste, die allerdings im reichen Europa auch nur in geringem Umfang umgesetzt wird. Die industrielle Anbaumethode ist auch hier verantwortlich für Bodenerosion, Wasserverschmutzung und die Zerstörung natürlicher Lebensräume von Pflanzen und Wildtieren. Doch sie dient der Ertragssteigerung. Naturschutzexperten machen daher schon lange den Vorschlag, das System ein wenig zu ändern. Es müsste sich beispielsweise für die Landwirte lohnen, etwas für die Erhaltung der Natur, für das Landschaftsbild und für die Artenvielfalt zu tun.

Der Beitrag der Berliner Forscher wurde in der aktuellen Ausgabe von "Nature Ecology & Evolution" veröffentlicht.


Ein recht amüsanter Artikel in der SN am 18.07.2017:

"Der Gast darf sich beschweren. Aber das Sagen hat der Koch."

PETER GNAIGER

Auch wenn der Gast König ist, heißt das noch lange nicht, dass der Koch buckeln muss. Ein guter Gast hört auf seinen Koch. Gestern nahm mich der Koch meines Vertrauens beiseite. "Da, schau her", sagte er und zeigte auf sein Smartphone. Ein Tiroler Kollege hatte ein Foto hochgeladen. Darauf war eine saftig gebratene Beiried zu sehen. Darunter war zu lesen: "Das ist heute die 30. perfekte Beiried, die mir von diesen A?löchern zurückgeschickt wurde. Mit dem Hinweis, ich solle sie durchbraten. Ich geh jetzt weinen."

Dazu müssen Sie wissen: Viele Köche wirken nur auf den ersten Blick ein bisschen roh. Tief drinnen sind sie sehr sensibel. François Vatel (1631-1671) etwa hat auf Schloss Chantilly eine Creme aus geschlagenem und gezuckertem Obers erfunden. Dann hat er sie mit Vanille verfeinert. Was für ein Triumph! Ein paar Jahre später hat er sich in sein Schwert gestürzt, nur weil ein Lieferant die Fischlieferung für ein Bankett von Louis XIV. vertrödelte.

In Österreich erzählt man sich gern Anekdoten von dem hochsensiblen Charakter-Koch Karl Eschlböck. Dieser dachte so viel über seine Gerichte nach, dass er einer gewünschten Änderung nur dann zugestimmt hat, wenn er einen Sinn darin erkannte. War das nicht der Fall, dann hat er so manchem Gast den Weg zur nächsten Pizzeria erklärt.

Auch die Ober im Café Bazar waren schon immer bekannt dafür, dass sie auf die Ausführung ihres selbst auferlegten Bildungsauftrags Wert legen. Franz Mochart etwa, der von 1954 bis 1984 im Bazar wirkte, verriet der Teufelsküche, dass er sich einmal bei einem lästigen Gast Respekt verschafft hat, indem er ihm kurzerhand heißen Kaffee in den Hemdkragen leerte. Noch besser ist es aber, wenn man seine Gäste mit Argumenten überzeugt. Das gelingt in Salzburg Enzo Zafferano besonders gut. Er führt auf dem Kajetanerplatz die Trattoria La Campana da Enzo. Und Enzo sagt: "Der Kunde darf sich beschweren. Aber nur, solange er akzeptiert, dass ich das Sagen habe."

Seine Gäste wissen aber auch, dass es ihm nur um deren Wohl geht. Einmal versuchte ein Gast, nach dem Essen einen Cappuccino bei ihm zu bestellen. Natürlich vergeblich. Enzo brachte einen Espresso und erklärte: "Milch nach dem Essen macht den Magen sauer. Nicht einmal eine Sau würde nach dem Essen Milchschaum trinken." Wir fragen Enzo noch, ob er wegen seiner offenen Art auch schon Gäste verloren hat? "Sicher", sagt er. "Die essen jetzt beim Ägypter italienisch." Was lernen wir daraus? Wer einen guten Koch oder Wirt gefunden hat, der sollte auch bereit sein, von ihm zu lernen. Der Koch sagt ihnen ja auch nicht, wie sie ihren Job zu machen haben. Und es muss ja einen Grund gegeben haben, warum die drei wichtigen Berufe Koch, Metzger und Mediziner in der Antike nur einen Namen hatten: Mageiros. In diesem Sinn: Mahlzeit.

Finanztransaktionssteuer

Unglaublich aber wahr: Banken und Globale Konzerne diktieren die Weltpolitik, die Lösung könnte doch so einfach sein!!

Pressemitteilung Kampagne Steuer gegen Armut

  1. Juli 2017

Macron betreibt Ausstieg aus Finanztransaktionssteuer

"Die Kampagne Steuer gegen Armut kritisiert aufs Schärfste, dass das EU-Finanzministertreffen zur Finanztransaktionssteuer (FTS) am 10. Juli auf unbestimmte Zeit verschoben werden soll", sagt der Sprecher der Kampagne Steuer gegen Armut, Detlev von Larcher. "Diese Verschiebung geht auf das Konto des französischen Staatspräsidenten Macron und das, obwohl die alte Regierung in Paris einem fertigen Kompromiss bereits zugestimmt hatte".

"Macrons Sabotage an der FTS ist Teil eines Pakets von Geschenken an die Banken, zu dem auch die Herausnahme des Intra-Day-Handels aus der derzeit geltenden französischen Transaktionssteuer gehört, sowie Steuererleichterungen für Spitzengehälter und Boni von Bankern," ergänzt Peter Wahl von WEED (Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung).

"Offenbar wird der Ausstieg aus ausverhandelten Vereinbarungen Mode", so von Larcher weiter. "Nach Trumps Ausstieg aus dem Klimaabkommen will Macron jetzt offensichtlich aus der Finanztransaktionssteuer aussteigen. Zwar geht er dabei nicht ganz so plump vor wie sein US-Kollege und gibt vor, endgültig nach dem BREXIT entscheiden zu wollen, tatsächlich aber läuft das Manöver auf die klammheimliche Liquidierung des Vorhabens hinaus."

"Das Argument mit dem BREXIT ist ein fadenscheiniger Vorwand", sagt Peter Wahl. "Schließlich wird die Finanzindustrie der Eurozone zum großen Gewinner des BREXIT, weil ein erklecklicher Teil des Geschäfts aus der Londoner City in die Standorte auf dem Kontinent umzieht, darunter nach Paris," so Wahl, "Wettbewerbsnachteile für die französischen Banken wird es daher nicht geben ? im Gegen-teil."

"Die Bundesregierung muss die bevorstehenden deutsch-französischen Regierungs-konsultationen am 13. Juli nutzen, um Paris von seiner destruktiven Haltung abzubringen", erklärte Pia Schwertner von Oxfam. "Sollten die Verhandlungen ausgerechnet von Frankreich in letzter Minute torpediert werden, wäre dies ein Schlag ins Gesicht der Zivilgesellschaft. Macron darf den Willen der europäischen Bevölkerung nicht ignorieren. Er muss sich entscheiden, ob er der Präsident der Banken oder der Präsident der Bürger sein will."

Die Kampagne Steuer gegen Armut wird von 100 Organisationen getragen, darunter der DGB, Brot für die Welt, Attac und Misereor.

www.steuer-gegen-armut.org

Für Rückfragen:

Mit freundlichen Grüßen aus Weyhe Detlev v.Larcher Böttcherei 210 28844 Weyhe phone +49421894311 mobile+4916093708007 fax +49421801885 www.steuer-gegen-armut.org http://steuergerechtigkeit.blogspot.com

Kuhattacken

Über das Thema Kuhattacken wird umfangreich diskutiert, folgende Überlegungen sollten einen Lösungsansatz bieten: Von den 110.000 Rindern in Tirol (nicht "Kühe") sind es ca. 35.000 Kühe, und 75.000 "Sonstige Rinder", die sich aufteilen in Rinder unter 0,5 Jahre, Rinder zwischen 0,5 und 2 Jahren und Rinder über 2 Jahre. Von der letztgenannten Kategorie gibt es Kalbinnen und Mutterkühe. Für die Kuhattacken sind großteils die Mutterkühe verantwortlich. Statistische Zahlen darüber wie gesamte Zahl, Anzahl der Herden auf Almen, Flächengröße, geschätzte notwendige Zaunlänge usw) sollten offengelegt und darüber diskutiert werden. Ich bin der Überzeugung, dass Mutterkühe mit den Kälbern durch Zaun- oder Wegführung von den Wanderern (teilweise mit von der Mutterkuh aus empfundenem "Raubtier Hund") getrennt gehalten werden sollen. Wenn ich von einer geschätzte Zahl von 10.000 Mutterkühen ausgehe (ca. ein Zehntel der Rinder) so können die Bauern und deren 'Vertreter keinesfalls mit einem nicht zu finanzierbarem Problem sprechen. Wenn die Gastronomie mit der reizvollen von den Gästen so beliebten Kulturlandschaft "Almen" wirbt, wäre es eventuell auch möglich, wenn diese einen finanziellen Beitrag (z.B. über einen Nächtigungseuro) zu Gefahrenreduzierung auf Almsteigen beiträgt.

Abschließend möchte ich besonders darauf hinweisen, dass die Haltung von Haustieren in größeren Beständen immer weniger Kontakte Mensch-Tier ermöglicht. Dadurch fehlt es an Vertrauen der Tiere an den Menschen, sh. Kurzfilm von Martin Ott "Neue Gedanken zur alten Beziehung zwischen Kuh und Mensch." Besonders Mutterkuhherden mit ihren Kälbern, gehalten in Laufställen und auf Weiden verwildern etwas und kehren ihre Instinkte heraus. Dazu kommt ein völlig falsches Verhalten der Wanderer mit ihren Kindern und Hunden, welche die Rinder nur aus verkitschten Werbefilmen kennen.

Die Kühe können sich ihren Namen merken

Im Rahmen der Studie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft wurden den Rindern laut aid.de an der Kraftfutterstation über Lautsprecher ihre Namen vorgespielt. Zunächst lernten die Tiere der Versuchsgruppe ihren Namen mit einer Belohnung zu verknüpfen, später wurden die Namen maximal dreimal gerufen und das Kraftfutter erst abgegeben, nachdem ihr Name aufgerufen worden war. Ziel war es, dass die Tiere lediglich reagieren, wenn ihr Name gerufen wird und sämtliche anderen Namen ignoriert werden.

Nach einer vierwöchigen Pause zeigte sich, dass sich die Rinder ihre Namen tatsächlich gemerkt hatten. In 93 Prozent der Fälle reagierten Marion, Hermine, Franziska, Leonor, Stefanie und Annabel korrekt. Die Studie wurde mit dem Zweck durchgeführt, künftig mit akustischen Signalen Optimierungen des Kuhverkehrs vor Kraftfutterstationen und automatischen Melkstationen erreichen zu können. Auch die Auseinandersetzungen zwischen Rindern sollen so verringert werden.

Martin Ott: Neue Gedanken zur alten Beziehung zwischen Kuh und Mensch

https://www.youtube.com/watch?v=FFRqDkNcKgo

Leserbrief SN am 06.07.2017: Zu teure Erntehelfer?

Als Abonnent ihrer sehr geschätzten Zeitung hat sich bei mir beim Lesen des Beitrags von Red. Regina Reitsamer "Wer will bei den Löhnen noch ernten" zunehmend Unverständnis und Ärger breitgemacht.

Es können auch im Wirtschaftsteil der SN nicht einfach unkommentiert Aussagen der Wirtschaft und Landwirtschaftskammer wiedergegeben werden. Wollen wir weiter dem Wirtschaftsliberalsimus fröhnen und unseren Wohlstand auf Kosten der Ärmsten aufrecht erhalten? Vielleicht sollten wir rechtlose Asylanten als noch billigere Erntehelfer einsetzen? Hat Frau Reitsamer noch nie etwas von Ernährungssouveränität gehört?

Solange wir industriell hergestellte, möglichst billige Nahrungsmittel einkaufen, wird sich wenig ändern. Der von Bauernvertreter hochgejubelte Begriff "Regionalität" entspricht nicht den Zielsetzungen nachhaltiger Landwirtschafts- und Ernährungspolitik. Wie sagte doch einst Joschka Fischer: "Mist bleibt Mist auch wenn er von der Region stammt".

Artikel in der SN vom 06.07.2017

Wer will bei den Löhnen noch ernten?

REGINA REITSAMER

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Ob Erdbeere oder Tomate, bei der Ernte zählt trotz technischen Fortschritts Handarbeit. Die könnte Obst und Gemüse bald teurer machen. SALZBURG. Will man frisches Obst und Gemüse, haben viele Kunden schon jetzt das Gefühl, tief ins Geldbörsel greifen zu müssen. Es könnte freilich noch weit teurer werden.

In England beherrschte vergangene Woche vor allem ein Thema die Schlagzeilen: Der Brexit bedrohe die beliebten Erdbeeren. Bleiben die billigen Erntehelfer aus Rumänien aus, ist niemand mehr bereit, sie zu pflücken. Kalifornien zittert dagegen um seine Kirschernte. Hier sind es die mexikanischen Pflücker, die - Trump sei Dank - ausbleiben könnten. Auch in Österreich gab es bei der jüngsten Einigung der Sozialpartner auf 1500 Euro Mindestlohn vor allem einen Aufschrei: Obst und Gemüse könnte das um 17 Prozent teurer machen, so die Branche. Denn den 10.000 auch hierzulande fast ausschließlich ausländischen Erntehelfern wird mit im Schnitt 1280 Euro brutto monatlich bisher deutlich weniger gezahlt.

Warum man trotz durchaus stattlicher Obst- und Gemüsepreise im Supermarktregal bei der Ernte nicht mehr als Hungerlöhne zahlen kann? "Trotz allem technischen Fortschritt macht bei Obst und Gemüse der Anteil der reinen Arbeitskosten oft weit mehr als die Hälfte der Gesamtkosten aus", erklärt Ulrike Österreicher von der Landwirtschaftskammer. "Will man hier mehr zahlen, schlägt das massiv auf die Endkosten durch." Letztlich müssten die Kunden bereit sein, dafür zu zahlen, und zuvor der Handel, der in Österreich mit seiner Marktmacht (die größten drei Anbieter teilen sich 85 Prozent Marktanteil) massiv die Kosten drücke.

Was das am Beispiel Erdbeere bedeute, rechnet Manfred Wiesenhofer, Beeren-Experte in der steirischen LWK, vor. 15 Kilogramm Erdbeeren ernte ein Pflücker pro Stunde, 10 bis 15 Erntehelfer brauche man pro Hektar Erdbeerfeld. Ein Vollerwerbsbetrieb mit zehn Hektar benötige damit 150 Erntehelfer am Tag. "Natürlich sind das massive Personalkosten." Bei den derzeitigen Löhnen entstehen pro Kilogramm Erdbeeren allein für den Pflücker Kosten von einem Euro - und das bei 1,80 bis 2,00 Euro, die der Bauer für das Kilogramm Erdbeeren bekomme, die er zuvor ja auch pflanzen und pflegen müsse, sagt Wiesenhofer. Je nach Obst- und Gemüsesorte sehe diese Rechnung zwar etwas anders aus, das Grundproblem aber bleibt: Ernten ist personalintensiv und kostspielig.

Technisch versuche man gegenzusteuern, das aber sei nur begrenzt möglich. Ein Gramm mehr pro Erdbeere erhöhe die Pflückleistung pro Stunde um ein Kilogramm. Mit Bewässerung und Düngemaßnahmen arbeitet man an der Fruchtgröße. Witterungsschutz soll Hagelschäden vermeiden, denn je mehr aussortiert werden muss, desto länger braucht man. Auch Substratanbau wird getestet, angebaut wird dabei nicht auf der Erde, sondern in Pflückhöhe auf einem Kokos-Torf-Substrat, das ist teuer.

Immer schwieriger wird es auch in Österreich, Erntehelfer zu finden. "Für sieben Euro die Stunde kommen Polen nicht mehr", sagt Wiesenhofer. Die meisten Pflücker kämen heute aus Rumänien oder, über ein striktes Erntehelfer-Kontingent geregelt, aus Nicht-EU-Ländern wie der Ukraine. "Österreicher findet man schon lang keine mehr."

Auch andere Faktoren verteuern Obst und Gemüse: Genommen wird nur makellose Ware, entsprechend höher ist der Anteil an Verderb und Retouren. Und die Industrie falle als Abnehmer meist aus, kritisiert Wiesenhofer. In so gut wie keinem Fruchtjoghurt etwa seien heimische Erdbeeren. Für die hier gezahlten etwa 70 Cent pro Kilogramm könne man in Österreich nicht einmal den Erntehelfer zahlen. "Dabei würden die Mehrkosten für heimische Erdbeeren auf das Becherl Joghurt heruntergerechnet gerade ein bis zwei Cent ausmachen."

Die Konkurrenz aber sei hart. "Spanien muss Erntehelfern nur 800 Euro zahlen, die Slowakei 400", sagt Ulrike Österreicher. Und selbst in Deutschland, wo der Mindestlohn bereits gilt, habe man für Erntehelfer eine Ausnahme. Wer nur drei Monate im Land ist, kann brutto für netto bezahlt werden. Eine ähnliche Ausnahme verlangt daher auch die heimische Landwirtschaft.

Hoffnung aber setzt man auch auf die Preise. Das zweite Frostjahr in Folge, das nicht nur Erdbeeren, sondern auch Äpfel zur Mangelware werden ließ, biete die Chance auf Preiserhöhungen, meint Wiesenhofer. "Die Alternative wäre nur, in Österreich nicht mehr anzubauen." Und bisher sind die Österreicher, was Obst betrifft, durchaus heimatbewusst. 95 Prozent beträgt der Selbstversorgungsgrad bei Äpfeln, 41 Prozent bei Erdbeeren.