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Warum Kühe angreifen

MARS

Kühe sehen vor allem in Hunden eine Gefahr. ©pierluigipalazzi - stock.adobe.com

Kuhattacken auf Almen: Immer wieder kommt es zu gefährlichen Begegnungen. Experten raten nicht nur Hundebesitzern, sich von Rinderherden fernzuhalten. WIEN. Almen sind in den Sommermonaten nicht nur Naherholungsgebiete für Wanderer, sondern auch Heimat von Tausenden Kühen. Begegnungen zwischen den beiden können manchmal sogar tödliche Folgen haben.

Zuletzt kam es gestern, Montag, zu einem gefährlichen Zwischenfall in Kärnten: Ein Urlauberehepaar aus Deutschland wurde auf der Turracher Höhe von einer Kuhherde attackiert. Die 64-jährige Frau wurde dabei schwer verletzt. Laut Polizei war das Paar mit ihrem größeren Hund schon an der Herde vorbei, als ihnen die Tiere plötzlich nachliefen. Die Frau wurde von den Mutterkühen niedergestoßen. Sie sei unter die Tiere geraten, teilte die Polizei mit. Die Urlauberin wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus nach Villach geflogen. Ihr Mann erlitt einen Schock. Erst am Sonntag wurden drei Wanderer von einer Kuhherde auf dem Nassfeld angegriffen. In beiden Fällen handelte es sich um Mutterkühe, die ihre Kälber schützen wollten. In beiden Fällen waren die Wanderer mit Hunden an der Leine unterwegs.

Die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe und der Alpenverein warnen deshalb vor falschem Verhalten auf der Alm. Häufige Ursache für die Attacken von Kühen seien Hunde. "Für eine Kuh ist der Hund wie ein Wolf und wird damit als absolut tödliche Bedrohung für ihr Baby empfunden", erklärt Pfotenhilfe-Obfrau Johanna Stadler. Sie rät daher, sich schon vor der Wanderung mit einem Hund alternative Routen zurechtzulegen, damit Weideflächen gemieden werden können. Ist dies nicht möglich, sollte der Hund angeleint und die Kuhherde in einem Abstand von mindestens 50 Metern umgangen werden.

"Wenn das Weidevieh anfängt, auf den Hund und damit auch den Hundehalter zuzugehen, sollten Wanderer ihren vierbeinigen Liebling unbedingt von der Leine lassen. Der Hund nimmt mit Leichtigkeit Reißaus und sein Besitzer ist damit auch außer Gefahr", erklärt Peter Kapelari, Leiter der Abteilung Hütten, Wege und Kartographie im Alpenverein.

Der Alpenverein rät außerdem dazu, sich in der Nähe einer Kuhherde ruhig zu verhalten. Ist die Aufmerksamkeit bereits auf die Wanderer gerichtet, sollten sich diese selbstbewusst (und optimalerweise mit Stock) den Tieren entgegenstellen und sich dann ruhig von der Herde entfernen. Den Kühen sollte man dabei nicht den Rücken zukehren. Kälber sollten auf keinen Fall gestreichelt oder gefüttert werden

Kuhattacken können auch ein rechtliches Nachspiel haben. Nach einem tödlichen Angriff auf eine 45-jährige Deutsche im Juli 2014 haben der Witwer und der Sohn des Opfers eine Schadenersatzklage beim Innsbrucker Landesgericht eingebracht.

Die beiden fordern 359.905 Euro für Begräbniskosten, Schmerzensgeld aus Trauer- sowie Schockschaden und Unterhaltsentgang. Die Kläger argumentierten, dass der tödliche Unfall leicht durch einen einfachen Weidezaun zu verhindern gewesen wäre. Der beklagte Bauer entgegnete, dass die Errichtung derartiger Zäune auf Weideflächen weder zumutbar noch ortsüblich sei.

Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hatte ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt. Sie kam zu dem Ergebnis, dass den Landwirt als Tierhalter keinerlei Verschulden an dem Unglück getroffen habe. Unter anderem habe er bereits vor dem Vorfall mehrsprachige Schilder angebracht, die darauf hinwiesen, dass es sich um Mutterkühe handle und somit unbedingt Abstand zu halten sei.

Untenstehend wird ein bemerkenswerter Artikel von den Salzburger Nachrichten abgedruckt.

Das Thema Wölfe in den Alpen wurde in den letzten Jahren sehr heftig diskutiert, in vielen Fachzeitschriften, wie z.B. "Der Alm- und Bergbauer" sind einige Artikel pro und kontra enthalten.

Dazu wird von mir festgehalten, dass die Land- und Almbewirtschaftung vielfältige Funktionen erfüllt. Neben der von den Bauern großteils beachteten Produktionsfunktion werden die öffentlichen Funktionen immer wichtiger. Auf den Flächen der Alm- und Bergbauern existieren seltene Pflanzen- und Tierarten, die im Tal längst ausgestorben sind. Die Wiederkehr des Wolfes in Mitteleuropa sorgt nun für emotionale Stellungnahmen. Umweltschützer begrüßen die Rudeltiere und weisen auf die Einpendelung eines natürlichen Gleichgewichtes zwischen Raub- und Beutetiere hin. Gleichzeitig fürchten die Jäger, dass ihnen zuviel "Wildtiere" abhanden kommen. Sie vergessen dabei, dass gerade in den Schutzwälder zuviel Rotwild beträchtliche Schäden verursacht, was sogar vom Österreichischen Rechnungshof mehrfach kritisiert wurde. Almbauern befürchten größere Tierverluste und sind überzeugt, dass in unserer Kulturlandschaft kein Platz mehr für Raubtiere besteht.

Nutzkonflikte werden in der Kultur- und Naturlandschaft häufiger. Landwirte sollen erkennen, dass sie mit der Bewirtschaftung eine große Verantwortung tragen für die Reinhaltung von Luft und Wasser, Schonung des Klimas, Erhaltung der Vielfalt von Flora und Fauna, Aufrechterhaltung einer ökologisch orientierten Bewirtschaftungsweise mit artgerechten Tierhaltung in überschaubaren Bestandesgrößen.

Daher stellt sich die Frage, ob ein intelligentes Herdenmanagement, sowie die Abgeltung des erhöhten Behirtungsaufwandes und von Raubtierschäden durch die Öffentlichkeit doch einen akzeptablen Kompromiss darstellt.

dazu passend

"Eine Alm ist kein Streichelzoo?: Sicheres Verhalten auf der Alm

http://oe3.orf.at/stories/2855727/

Hunde helfen Bauern, mit dem Wolf zu leben

URSULA KASTLER, Salzburger Nachrichten 14.07.2017, S. 19 Wissen/Gesundheit

Gut getarnt: Die Wolfsjungen erkunden in Allentsteig in Nieder?sterreich das Revier. Die Wölfe in Allentsteig haben wieder Nachwuchs. Das ist ein Gewinn für die Artenvielfalt, der nicht alle begeistert. Doch der Wolf wird bleiben. Frankreich und die Schweiz zeigen, wie sich Probleme managen lassen.

ALLENTSTEIG, LA FRASSE. Sie sind schon recht munter unterwegs und erkunden neugierig ihre Umgebung: Sechs junge Wölfe haben nun das Rudel um zwei erwachsene Tiere und drei Jungwölfe aus dem Vorjahr auf dem Truppenübungsplatz im niederösterreichischen Allentsteig verstärkt. Vertreter des Bundesheeres, das sich seit mehr als 20 Jahren für das Naturraummanagement dort einsetzt, und die Fachleute der Naturschutzorganisationen freuen sich: "Der erneute Nachwuchs zeigt, dass der Wolf in Österreich einen hervorragenden Lebensraum vorfindet, um sich langfristig zu etablieren. Er gehört zu uns. Der Mensch muss wieder lernen, sich den Platz mit dem Wolf zu teilen", sagt Christian Pichler, Artenschutzexperte beim WWF.

Über den Gewinn für die Artenvielfalt sind allerdings nicht alle begeistert. Immer galt der Wolf in seiner jahrtausendealten Geschichte als Nahrungs- und Jagdkonkurrent des Menschen und in gewisser Weise spiegelt sich das noch heute. Jäger haben Sorge um die Rotwildbestände, die Bauern müssen um ihre Schafherden fürchten, die Touristiker geben zu bedenken, dass der Wolf Wanderer verschrecken könnte. Pläne für ein Wolfsmanagement im Land gibt es, für das sich alle Interessengruppen an den Tisch setzen sollten, um Schwierigkeiten zu besprechen und vorbeugende Maßnahmen zu erarbeiten. Doch das komme nur zäh voran, sagt Christian Pichler und er kritisiert vor allem die Politik. "Die Sorgen muss man ernst nehmen, es braucht mehr Aufklärung, die nicht nur von Organisationen wie dem WWF kommt, und wir müssen jetzt etwas tun, denn der Wolf wird nicht wieder weggehen."

Für die Bauern und Schafzüchter zeigen Frankreich und die Schweiz eine Möglichkeit: Bei den Schweizer Nachbarn sind auf 90 Almen etwa 200 Herdenschutzhunde meist der italienischen Art Maremmano-Abruzzese im Einsatz. Die Herdenschützer sind keine Hütehunde, die nur die Herde treiben. Sie sind gezüchtet und trainiert, die Schafe, unter denen sie leben, gegen Feinde zu verteidigen. Anfangs waren nicht alle Bauern davon angetan, denn die Hunde kosten Geld und müssen ausgebildet werden. Doch der Bund unterstützt das Vorhaben und will langfristig in allen Kantonen die Entschädigungen für Schafrisse an Schutzmaßnahmen knüpfen. Geld bekommt der, der Hunde hat oder einen Elektrozaun oder Hirten, die die Herde bewachen. Wölfe reagieren empfindlich gegenüber elektrischen Schlägen und sie meiden, wenn sie nicht unter hohem Futterdruck stehen, Gegenden, in denen sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Zur Sicherung des notwendigen Fachwissens über Herdenschutzhunde stellt der Bund den Kantonen sowie den Landwirten Fachberater zur Verfügung. Für die Finanzierung der Herdenschutzmaßnahmen in den von Großraubtieren wie Bär, Luchs und Wolf wiederbesiedelten Gebieten hat das Bundesamt für Umwelt ein Budget von jährlich etwa zwei Millionen Euro vorgesehen.

In der Schweiz gibt es rund 10.000 Schafhalter mit mehr als 400.000 Tieren. Gut die Hälfte der Schafe ist sommers auf einer Alm. Jedes Jahr kommen dort 4000 Tiere um, fünf Prozent davon reißt der Wolf. Züchter, die mit Herdenschutzhunden arbeiten, berichten von guten Erfolgen. Sie haben kaum noch Verluste durch den Wolf zu beklagen. Für eine Herde von 1000 Schafen arbeiten bis zu zwölf Hunde. Als Faustformel gilt: ein Herdenschutzhund pro einhundert Tiere.

Ganz ohne Konflikte geht es allerdings auch in der Schweiz und Frankreich nicht. Denn so mancher Herdenschutzhund, der seine Schäfchen in Wandergebieten bewacht, sieht auch den fremden Zweibeiner als unliebsamen Eindringling an, vor allem, wenn dieser einen Hund mit sich führt.

Der bekannte Biologe, Ethologe, Wolfexperte und Herdenschutzspezialist Jean-Marc Landry sucht seit der Rückkehr des Wolfs in Frankreich und der Schweiz nach Lösungen für wirksame Herdenschutzmaßnahmen. Er forscht gleichermaßen für den Schutz der Weidetiere und des Wolfs sowie für die friedliche Koexistenz von Mensch, Hund und Wolf.

Seine neueste Forschungsarbeit konzentriert sich darauf, wie die nächtlichen Interaktionen zwischen den Herdenschutzhunden und den Wölfen ablaufen. Untersucht werden Tiere im Nationalpark Mercantour mit seinen rund 1700 Kilometern Wanderwegen im Südosten Frankreichs.

Ziel ist, bei der Züchtung besonders effiziente Hunde zu erhalten. "Das Verhalten der Tiere ist komplexer als erwartet, weil ja Hund und Wolf miteinander verwandt sind und für Monate den Lebensraum miteinander teilen. An einem Beispiel kann man sehen, worauf es bei einem guten Hund ankommt. Fünf Wölfe haben eine Herde von 2000 Schafen angegriffen. Die Hunde haben gekämpft und sie in die Flucht geschlagen. Trotzdem waren sie am nächsten Morgen nicht aufgeregt und friedlich im Umgang mit Menschen", sagt Jean-Marc Landry.

Bei der Selektion für die Zucht sei es also notwendig, Tiere zu finden, die die Herde eisern verteidigten, doch im Umgang mit Menschen friedlich seien und dann auch noch andere Hunde tolerierten. So wichtig wie die Selektion ist in dieser Hinsicht die Schulung des Hundes.

Schulung braucht nach Ansicht Jean-Marc Landrys auch der Mensch, denn "das größte Problem ist, dass Menschen den Wolf nicht akzeptieren". Um Ängste und Vorurteile abzubauen und richtiges Verhalten in Wandergebieten zu lehren, gehen er und seine Teams in Frankreich und der Schweiz in die Schulen. Dort fangen sie meist mit dem Basisprogramm an: Wie verhält man sich richtig im Umgang mit Hunden. "Der Umgang mit einem Herdenschutzhund gehört dann dazu", sagt Jean-Marc Landry.

Am Ende noch ein kleines "Apropos": Laut Christian Pichler vom WWF wurden in den vergangenen 50 Jahren neun tödliche Angriffe von Wölfen auf Menschen verzeichnet. Unter ihnen waren fünf tollwütige Tiere in Spanien. Mittlerweile gibt es die Tollwut bis Serbien nicht mehr. Vier Wölfe griffen in Russland an, aber das waren Tiere, die von Menschen angefüttert worden waren und ihre natürliche Scheu verloren hatten.

Alpwirtschaft

Auf der Universität für Bodenkultur wurden von mir im Sommersemester 2016 die letzten sechs Blockvorlesungen zum Thema Alpwirtschaft abgehalten. Hier finden Sie Unterlagen und weiterführende Informationen dazu.

Sie können gerne diese Unterlagen unter Einhaltung der Zitierrichtlinien für Ihre Veröffentlichungen verwenden.

Die Themen :

  1. Bedeutung der Bergland- und Almwirtschaft in Österreich
  2. Funktionen der Almwirtschaft, Integralprojekte
  3. Weidewirtschaft, Waldweideordnung
  4. Einrichtungen (Erschließung, Gebäude, Wasser, Elektrifizierung, Zäune)
  5. Bewirtschaftung (Personal, Aufzucht, Milcherzeugung, Milchverarbeitung)
  6. Spezialthemen (Förderungssysteme, Waldweideneuordnungen, WLV-Projekte)