Anklage gegen den agro-industriellen Komplex

Thomas Hummel/SZ v.25.03.2024

https://www.sueddeutsche.de/politik/landwirtschaft-bauern-bauernproteste-bauernsterben-bartholomaeus-grill-rezension-1.6411463

Bartholomäus Grill, bayerischer Bauernbub und langjähriger Afrika-Korrespondent, wirft den Landwirtschaftskonzernen vor, die Lebensgrundlagen der Menschheit zu zerstören.

Rezension von Thomas Hummel

Als der aktuelle Bauernaufstand begann, da hatte Bartholomäus Grill sein Buch schon geschrieben. Und trotzdem steht drin, was er darüber denkt: „Ich bin jedes Mal hin und her gerissen, wenn Europas Landwirte auf die Barrikaden gehen“, schreibt er, „einerseits verstehe ich ihre wirtschaftlichen Nöte, andererseits erzürnt mich ihre dumpfe Uneinsichtigkeit.“

 

Bartholomäus Grill, geboren 1954 im oberbayerischen Oberaudorf am Inn, vier Jahrzehnte lang Korrespondent für die Zeit und den Spiegel in Afrika, hat sein Wissen und seine Beobachtungen zusammengetragen über die deutsche und weltweite Landwirtschaft. Sein Buch trägt einen Titel, der keine Zwischentöne zulässt: „Bauernsterben: Wie die globale Agrarindustrie unsere Lebensgrundlagen zerstört“. Es ist eine 226 Seiten lange Abrechnung, eine Anklage gegen die moderne Landwirtschaft und ihre dahinter liegenden politischen und wirtschaftlichen Interessen. Aus Grills Worten sprechen Wut und eine Warnung an die Gesellschaft.

„Krieg gegen die Natur – und gegen uns selbst.“

Für ihn ist die moderne Landwirtschaft eine der „destruktivsten Kräfte, die die Menschheit je entfesselt hat“. Im Zentrum stehe die Plünderung der begrenzten biologischen Ressourcen und die flächendeckende Zerstörung der Umwelt durch den weltumspannenden agro-industriellen Komplex, der so mächtig geworden sei wie der militärisch-industrielle Komplex. Dieser Agrarkomplex führe einen „Krieg gegen die Natur – und gegen uns selbst“. Gelenkt werde er von internationalen Chemie-, Pharma- und Saatkornkonzernen. Landwirtschaftspolitiker und Bauernverbände lieferten die Propaganda dazu. Die konventionellen Landwirte seien nur das Heer der Fußsoldaten, die mit ihren Traktoren Autobahnen und Innenstädte blockieren oder unliebsame Politikerinnen bedrohen. Streichung der Steuererleichterung beim Agrardiesel? Schutz der Umwelt, der Tiere, des Wassers? Dann gibt’s Rabatz!

Es ist eine harsche Kritik, die Bartholomäus Grill verfasst hat. Er wiederholt dabei, was viele Agrarwissenschaftler, Wasserversorger, Biologen und natürlich Klima- und Naturschützer seit Jahren sagen. Dabei haben sich Fronten gebildet: zwischen Land und Stadt, zwischen Lebensmittelproduzenten und -konsumenten, zwischen denen auf den Feldern und denen in ihren Büros. Genau hier hat Bartholomäus Grill einen Vorteil. Er ist einerseits der „Presseheini aus der Großstadt“, mit dem viele Landwirte nicht einmal reden wollen, wie er selbst beschreibt. Andererseits ist er aufgewachsen auf den Bauernhöfen seiner Großeltern und Eltern.

Gier, Geiz und Profitmacherei

Somit kann er den Strukturwandel in der Landwirtschaft fein nachzeichnen. Seine Kindheit beschreibt Grill als „versunkene Welt“, in der das Gefühl der Zusammengehörigkeit auf dem Land stärker war. Gier, Geiz und Profitmacherei seien verpönt gewesen. Die Großeltern auf dem Bergbauernhof und deren Vorfahren hätten nachhaltig gewirtschaftet, Ressourcen geschont. Auch sein Vater beherzigte die Regeln noch. „Dann brach der Fortschritt auf die Bauern herein“, schreibt Grill.

Es wurde damals „grüne Revolution“ genannt, ein Ausdruck, der in konservativen und rechten Parteizirkeln heute unter Strafandrohung verboten ist. In den 1960er-Jahren hieß das: Chemie auf die Äcker, Pestizide, Kunstdünger. Dazu Aufzuchtbeschleuniger für die Tiere. Regeln der Natur? War von gestern. Jetzt lieber Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Bartholomäus Grill: Bauernsterben. Wie die globale Agrarindustrie unsere Lebensgrundlagen zerstört. Siedler-Verlag, München 2023. 240 Seiten, 24 Euro. E-Book: 19,99 Euro.
Bartholomäus Grill: Bauernsterben. Wie die globale Agrarindustrie unsere Lebensgrundlagen zerstört. Siedler-Verlag, München 2023. 240 Seiten, 24 Euro. E-Book: 19,99 Euro. (Foto: Siedler)

Grill beschreibt die Folgen: mehr Erträge mit weniger Mitarbeitern. Nötige Investitionen in Geräte, Ställe, Dünger. Verschuldung vieler Bauern. Sterben der Höfe. Und das über Jahrzehnte, egal, wer gerade regierte. Ende der 1950er-Jahre gab es in Westdeutschland fast 1,4 Millionen landwirtschaftliche Betriebe, im Jahr 2023 in Gesamtdeutschland noch 255 000. Weil die Großbetriebe immer billiger produzierten, konnten die kleinen nicht mithalten. Und weil ein Großteil der EU-Subventionen (bis heute) pro Liter Milch oder pro Hektar Land ausbezahlt wurden und werden, profitieren immer weiter die großen.

Landwirte, entkoppelt von der Natur?

Ein Phänomen, das nicht nur auf Oberbayern, Deutschland oder Europa beschränkt ist. Sondern sich über die ganze Welt ausgebreitet hat. Grill berichtet aus Brasilien, den USA, von den Philippinen und vor allem aus Afrika. Lokale Eliten vertreiben indigene Völker, roden Wälder, um an Land zu kommen. Kleinbauern ackern am Rande der Existenz, der Klimawandel setzt ihnen zusätzlich zu, auch wenn einige von Grills Protagonisten davon noch nie was gehört haben. Agrarkonzerne bieten genverändertes Saatgut und gleich das dazu passende Pestizid an. Die Landwirtschaft degradiere Böden, verseuche Wasser, quäle Tiere, habe sich von Natur entkoppelt, schreibt Grill. Er wirft ihr „Beihilfe zum Ökozid“ vor.

Die entscheidende Frage stellt er im vorletzten Kapitel: „Was tun?“ Es gebe viele Ideen, viele Pläne, viele Lösungen. Grill plädiert für eine agrarökologische Wende, eine neue grüne Revolution. „Die Politik muss sich vom Primat der Wirtschaft befreien und wir alle werden radikal umdenken und unser Verhalten ändern müssen.“ Es ist ein drastischer Appell eines Weitgereisten. Und Grill selbst weiß: Da schwingt „eine Menge Hilflosigkeit“ mit.

Views: 260

Ulrich Brand, Markus Wissen: Kapitalismus am Limit. Öko-imperiale Spannungen, umkämpfte Krisenpolitik und solidarische Perspektiven, Oekom Verlag

Vorwort

Dieses Buch ist das Produkt einer langjährigen freundschaftlichen wissenschaftlichen und politischen Kooperation der beiden Autoren. Nach anfänglichen Zweifeln und Suchprozessen, ob wir es uns in dieser sich rasch verändernden und unübersichtlichen Welt zutrauen können, das große Ganze zu denken, haben wir es aus unserer Sicht zu einem guten Ende gebracht. Doch es wäre in der vorliegenden Form nicht möglich gewesen ohne die vielen Diskussionen, Anregungen und Rückmeldungen zu Kapitelentwürfen und einzelnen Argumentationsgängen. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich bei allen Beteiligten. Wir schätzen uns sehr glücklich, in inhaltlich derart inspirierende und solidarische Kontexte eingebunden zu sein. Zuvorderst ist der Rosa-Luxemburg-Stiftung – und allen voran Mario Candeias und Barbara Fried, damalige Direktor*innen des Instituts für Gesellschaftsanalyse (IfG) – für die Gewährung von Forschungsstipendien zu danken, mit denen wir zwischen 2021 und 2023 die Grundlage zu diesem Buch legen konnten. Ein wichtiger Diskussionszusammenhang während dieser Zeit war neben dem monatlichen IfG-Kolloquium der Jour fixe »Ökosozia- listische Strategien«. In diesem Rahmen haben wir uns zehnmal getroffen, um begrifflich, konzeptionell und ausgehend von konkreten Erfahrungen in Bereichen wie Energie, soziale Infrastrukturen, Landwirtschaft oder Mobilität die Eckpunkte eines emanzipatorischen sozial-ökologischen Projekts zu diskutieren. Wir danken allen Teilnehmer*innen und Vortragenden für die vielfältigen Anregungen. Besonders bedanken wir uns bei Nina Treu, die den Jour fixe koordiniert hat. …

 

Kapitel 1

Kapitalismus und Klimakrise

Die sozial-ökologische Krise ist so schwerwiegend, dass wir uns der Realität des Kollapses nicht entziehen können: Er findet statt und wir müssen jetzt Entscheidungen treffen. Maristella Svampa 1 Im Jahr 2022 sorgte eine Gruppe prominenter Klimaforscher*innen für Aufsehen. Das internationale Team warnte vor der Gefahr eines möglichen climate endgame.2 Die Klimakrise, so das Argument, könnte sich zu einer globalen Katastrophe entwickeln, die nicht nur den Kollaps von Gesellschaften, sondern die komplette Auslöschung der Menschheit zur Folge haben würde. Die gängigen Klimaszenarien unterschätzten diese Möglichkeit. Sie konzentrierten sich zu sehr darauf, die Auswirkungen eines Temperaturanstiegs um 1,5 oder 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter abzubilden. Gegenwärtig steuere die Welt aber auf einen Anstieg von 2,1 bis 3,9 Grad bis zum Jahr 2100 zu. Die damit verbundenen Risiken, vor allem jene, die aus der wechselseitigen Verstärkung unterschiedlicher Krisen resultieren – Klimakrise, Biodiversitätsverlust oder Pandemien –, seien noch zu unbekannt, um das Schlimmste auszuschließen. Wir sollten daher ernsthaft auch mögliche worst-case-Szenarien analysieren. Zu diesem Zweck schlagen die Klimawissenschaftler*innen Untersuchungen vor, die neben der Modellierung von Risiko-Kaskaden und extremen Temperaturanstiegen auch die Erforschung von früheren gesellschaftlichen Zusammenbrüchen beinhalten. Bemerkenswert an dem climate-endgame-Text ist zweierlei: Zum einen werfen die Autor*innen äußerst dringende und relevante Fragen auf. Ihre Annahme, dass alles noch schlimmer kommen könnte als in den bisher entwickelten Szenarien vorhergesagt, klingt durchaus plausibel: So zeigt der Copernicus Climate Change Service in einer Studie, dass das Jahr zwischen November 2022 und Oktober 2023 wahrscheinlich das wärmste seit 125.000 Jahren war.3 Dazu kommen die jüngsten politischen Entwicklungen wie Kriege, umweltpolitisches Versagen und der Aufstieg einer autoritären Rechten. Umso auffälliger ist es zum anderen, dass sich die vorgeschlagene Forschungsagenda nahezu gänzlich über die gesellschaftlichen Ursachen der Klimakrise ausschweigt: über die ihr zugrunde liegenden sozialen Verhältnisse und die Akteure,4 die eine Katastrophe vielleicht noch verhindern könnten. Um was genau wird beim climate endgame gespielt? Wer sind die Spielerinnen und Spieler? Spielen sie alle mit denselben Voraussetzungen oder starten einige mit einem riesigen Sack voller Macht und Geld, während die anderen eher schlechte Karten haben? Wer bestimmt die Spielregeln? Und arbeiten in diesem makabren Spiel wirklich alle darauf hin, den worst case möglichst zu verhindern? Solche Fragen sucht man in dem Text vergeblich. Wenn es ums Ganze der Menschheit geht, so ließe sich die implizite Prämisse etwas überspitzt charakterisieren, dann zählen primär die harten naturwissenschaftlichen Fakten. Mit sozialwissenschaftlichen Differenzierungen kann man sich nicht länger aufhalten. Schließlich sitzen alle im selben Boot. Und das droht akut zu sinken. Die Autor*innen des endgame-Textes lassen sich den Erdsystemwissenschaften zurechnen. Diese befassen sich mit den ganz großen Fragen: den »planetaren Grenzen« oder dem Übergander Menschheit in ein neues Erdzeitalter namens »Anthropozän«. Zunehmend werfen sie auch einen Seitenblick auf die sozialen Dimensionen der ökologischen Krise: Sie nehmen zur Kenntnis, dass soziale Ungleichheit ein Krisentreiber ist, und merken kritisch an, dass diejenigen, die am wenigsten Verantwortung für die Krise tragen, am stärksten von ihr betroffen sind. Nach den gesellschaftlichen Verhältnissen, die diese Ungleichheiten hervorbringen, fragen sie jedoch nur selten.5 Eher scheint die Überzeugung vorzuherrschen, dass die dramatischen Befunde irgendwann schon aufrütteln würden, dass »die Macht« in Form von staatlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsträger*innen letztlich nicht mehr umhinkönne, »der Wahrheit«, also der Wissenschaft, Gehör zu schenken und deren Erkenntnisse in eine wirksame Krisenpolitik zu übersetzen. »Die effektive Kommunikation der Forschungsergebnisse wird entscheidend sein«, schreiben die endgame-Autor*innen hoffnungsvoll.6

 

Vorwort

Dieses Buch ist das Produkt einer langjährigen freundschaftlichen wissenschaftlichen und politischen Kooperation der beiden Autoren. Nach anfänglichen Zweifeln und Suchprozessen, ob wir es uns in dieser sich rasch verändernden und unübersichtlichen Welt zutrauen können, das große Ganze zu denken, haben wir es aus unserer Sicht zu einem guten Ende gebracht. Doch es wäre in der vorliegenden Form nicht möglich gewesen ohne die vielen Diskussionen, Anregungen und Rückmeldungen zu Kapitelentwürfen und einzelnen Argumentationsgängen. Dafür bedanken wir uns sehr herzlich bei allen Beteiligten. Wir schätzen uns sehr glücklich, in inhaltlich derart inspirierende und solidarische Kontexte eingebunden zu sein. Zuvorderst ist der Rosa-Luxemburg-Stiftung – und allen voran Mario Candeias und Barbara Fried, damalige Direktorinnen des Instituts für Gesellschaftsanalyse (IfG) – für die Gewährung von Forschungsstipendien zu danken, mit denen wir zwischen 2021 und 2023 die Grundlage zu diesem Buch legen konnten. Ein wichtiger Diskussionszusammenhang während dieser Zeit war neben dem monatlichen IfG-Kolloquium der Jour fixe »Ökosozia- listische Strategien«. In diesem Rahmen haben wir uns zehnmal getroffen, um begrifflich, konzeptionell und ausgehend von konkreten Erfahrungen in Bereichen wie Energie, soziale Infrastrukturen, Landwirtschaft oder Mobilität die Eckpunkte eines emanzipatorischen sozial-ökologischen Projekts zu diskutieren. Wir danken allen Teilnehmerinnen und Vortragenden für die vielfältigen Anregungen. Besonders bedanken wir uns bei Nina Treu, die den Jour fixe koordiniert hat.

Buchempfehlung im Falter:

Ulrich Brand und Markus Wissen gehen der Frage nach, ob der Spätkapitalismus ausreichend unter Druck kommt, um sich zu verändern

RUDOLF WALTHER

Die Wörter „Klima“, „Krise“ und „Erderwärmung“ sind zu Gemeinplätzen geworden. Was sie bedeuten und wie Krise und Klima im geläufigen Kompositum „Klimakrise“ zusammenhängen, weiß fast niemand. In ihrem Buch klären die Politikwissenschaftler Ulrich Brand und Markus Wissen diese Zusammenhänge präzis, umfassend und kompetent auf. Brand lehrt und forscht an der Universität Wien, Wissen an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. Bekannt geworden sind die beiden Autoren durch ihren Bestseller „Imperiale Lebensweise“(2017).

ANZEIGE

about:blank

Thematisch schließt das neue Buch an diesen an, vertieft und erweitert jedoch die Analyse. Das betrifft die Methoden der Krisenbearbeitung und der dafür vorgeschlagenen Mittel von der ökologischen Modernisierung über die „Dekarbonisierung“ bis zur wohlfeilen Parole vom „grünen Kapitalismus“.

Denn wenn es nicht gelingt, die Wachstumsund Profitlogik, auf denen die kapitalistische Produktion beruht, auszubremsen bzw. zu überwinden, sind alle Rezepte gegen die Klimakrise vergeblich. Der Titel des Buches ist wörtlich zu verstehen. Das Kapital ist genuin angelegt auf grenzenlose Expansion. Die Welt jedoch ist definitiv begrenzt.

Der Kapitalismus lebte immer auch davon, dass er die Kosten seiner Entfaltung zu externalisieren vermochte. Der Raum für diese Kostenverlagerung lag in Gegenden, die man früher Dritte Welt nannte und heute den „Globalen Süden“.

Die Autoren belegen akribisch mit guten Argumenten, dass solche Mittel und Methoden völlig unzureichend sind, um an die wirklichen Ursachen der Klimakrise heranzukommen, und folglich in purer Symptombekämpfung versanden oder versumpfen.

Diese Räume haben sich verengt und sind zwischen Konkurrenten im Norden umstritten, was zu öko-imperialen Spannungen führt. Die Kostenvorteile der Verlagerung, die wegen Asymmetrien beim Lohn, bei Bildungs-, Gesundheits-, Sozialund Umweltstandards entstehen, gingen schnell verloren.

Obendrein ist z.B. der Wettlauf um Vorkommen und Abbau seltener Erden und Metalle, die für die Produktion von Batterien für E-Autos benötigt werden, oder um Orte für die Erzeugung von Strom für die hochkomplexe Produktion von Wasserstoff als Ersatz für klimaschädliches Öl und Kohle als Energieträger teurer und risikoreicher geworden als zu den Zeiten klassischer imperialer Expansion.

Mit Nachdruck verweisen die Autoren auf den Zusammenhang von zerstörerischen Naturund gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnissen unter den kapitalistischen Bedingungen und den diesen eignenden Zwängen zu Wettbewerb, Wachstum und Expansion.

Da „Wachstum“ die heilige Kuh des Kapitalismus ist, steigt der Rohstoffbedarf ungeachtet der Energiesparversuche und der ökologischen Folgen der enormen Ressourcenvernichtung im globalen Ausmaß. Die Energiewende verschärfte allein im Sektor der globalen E-Auto-Produktion die Konkurrenz der Autokonzerne um Rohstoffe.

In den beiden letzten Kapiteln des Buches analysieren die Autoren die Strategien der Krisenbekämpfung in kapitalistischen Ländern, die sich bislang auf Projekte zur ökologischen Modernisierung beschränken. Die damit verbundene Gefahr des Abgleitens liberal-demokratischer Regime in autoritäre bleibt.

Das letzte Kapitel handelt von den leider nicht sehr rosigen Aussichten einer solidarischen Perspektive zur Überwindung der Klimakrise in den Demokratien des Nordens.

Ulrich Brand, Markus Wissen: Kapitalismus am Limit. Öko-imperiale Spannungen, umkämpfte Krisenpolitik und solidarische Perspektiven, Oekom Verlag, 305 S., € 24,-

Views: 127