AMA

 
 
 
Sebastian Bohrn Mena auf Twitter am 14.07.2021
 
Es sollte kein Steuergeld mehr für die Förderung des Mindeststandards ausgegeben werden. Auch nicht in Form dieser Werbung durch die #AMA, die kaum an Zynismus übertroffen werden kann. Das AMA-“Gütesiegel” muss dringend reformiert werden, von Grundauf!

 
Anmerkung: Der Text im AMA-Werbefoto ist nichtssagend und eine Beleidigung von LEBENSmittel und Tierwohl

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Oekoreich – aufgedeckt: Glyphosat in Nudeln & Billigfleisch im Regal

Exklusiv: Fällt Österreich beim Fleisch zurück?

In Deutschland haben die großen Lebensmittelhändler kürzlich angekündigt, das Fleisch aus den untersten Haltungsformen aus den Regalen zu nehmen. Das deutsche Mindestniveau entspricht aber auch dem AMA-Standard. Wird es in österreichischen Supermärkten daher künftig eine schlechtere Qualität als in Deutschland geben? Wir haben bei SPAR, BILLA und HOFER nachgefragt. Alle Antworten gibts jetzt exklusiv bei oekoreich.

Fleisch: Standards in deutschen Supermärkten künftig höher als in Österreich?

Mehrere deutsche Handelskonzerne sorgten in den vergangenen Wochen für Aufsehen: Die niedrigen Stufen 1 & 2 in der Tierhaltung, die lediglich den untersten gesetzlichen Standard abbilden, sollen eigenen Angaben zufolge mittelfristig gänzlich aus ihrem Sortiment verschwinden. Mittlerweile ist geradezu ein Wettbewerb unter den deutschen Multis ausgebrochen, wer schneller und konsequenter auf Fleisch aus Massentierhaltung verzichtet. Dabei übertrumpfen sich diese sowohl was die Standards bei Eigenmarken betrifft als auch was die Listung von Frischfleisch grundsätzlich angeht.

Da sehr viel deutsches Fleisch nach Österreich importiert wird, insbesondere Schweinefleisch, hängen die Märkte traditionell eng zusammen. Oft wird beim Preis für Schweinefleisch von Seiten der Branche damit argumentiert, dass die österreichische Börsennotierung sich am deutschen Marktpreis orientiere, der den gesamteuropäischen Markt dominiert. Die Haltungsbedingungen in Österreich entsprechen zudem weitestgehend den deutschen, Unterschiede bestehen lediglich bei den Betriebsgrößen.

Eine Zeitenwende hat begonnen

Es gibt Entwicklungen, deren Beginn erkennt man erst im vollen Umfang im Rückblick. So wird es uns wohl auch bei der Frage der Weiterentwicklung der Landwirtschaft gehen. Die Konsumgewohnheiten der Menschen haben sich nicht erst seit Corona dramatisch geändert, eine Dynamik ungeahnten Ausmaßes ist im Lebensmittel-Bereich seit Monaten spürbar.

Die Politik reagiert darauf wie gewöhnlich mit Verzögerung, die Konzerne sind da stets schneller, immerhin gehts um ihren Profit. Der Tabubruch in Deutschland, der in Wahrheit nicht mit der Ankündigung von Aldi & Co begonnen hat, sondern mit den Reformvorschlägen der “Borchert-Kommission”, hat ein ganzes Gebirge ins Rollen gebracht.

Es geht jetzt nicht mehr darum möglichst viel und möglichst günstig zu produzieren, sondern Lebensmittel so zu erzeugen, dass die Tiere dabei nicht gequält, natürliche Lebensräume gewahrt und kleinbäuerliche Strukturen erhalten bleiben. Warum? Weil es hierbei mittlerweile auch um die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder geht.


Anmerkung Legner: Es bewahrheitet sich wieder, dass die sogenannte “AMA-Qualität”, weiters auch das Schlagwort “Regionalität” hauptsächlich ein Marketing-Gag ist!
Setzen Sie daher auf Bio-Qualität, saisonal und regional erzeugt.

https://www.oekoreich.com/medium/fleisch-standards-in-deutschen-supermaerkten-kuenftig-hoeher-als-in-oesterreich?mc_cid=1421e10768&mc_eid=fe13f467bf

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Island setzt auf 4-Tage-Woche: Fast 9 von 10 Isländern können jetzt kürzer arbeiten

Island hat die 4-Tage-Woche getestet – es ist der größte Versuch weltweit. Er war so erfolgreich, dass jetzt 86 Prozent der isländischen Beschäftigen eine Arbeitszeitverkürzung oder die Möglichkeit dazu bekommen haben. Denn der Island-Versuch hat gezeigt: Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn macht die Beschäftigten glücklicher, gesünder und produktiver – und rechnet sich wirtschaftlich.

Ein Prozent aller isländischen Beschäftigten hat kürzer gearbeitet

Auf Druck der Gewerkschaften und der Zivilgesellschaft haben der Stadtrat von Reykjavík und die isländische Regierung 2015 das weltweit größte Experiment zur Arbeitszeitverkürzung gestartet. Vier Jahre lang haben 2.500 Beschäftigte aus über 100 Unternehmen statt 40 im Schnitt nur 35 oder 36 Stunden gearbeitet. All das bei vollem Lohn. Der Versuch war so erfolgreich, dass nun generell die Arbeitszeitregelungen geändert wurden.

Der Versuch umfasste über ein Prozent der gesamten Erwerbsbevölkerung Islands und unterschiedliche Berufsgruppen. Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen waren genauso Teil des Versuchs wie Krankenhäuser, Schulen, Servicezentren oder Büros in der Stadtverwaltung. Das betraf klassische Nine-to-Five-Jobs, aber auch Schichtarbeit. Nach wissenschaftlicher Begleitung und zweijähriger Auswertung der Ergebnisse ist überdeutlich, dass eine generelle Arbeitszeitverkürzung nicht nur möglich, sondern auch sinnvoll ist.

https://kontrast.at/island-4-tage-woche/

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Jäger doch nicht von Wolf angefallen

KAMPF IM WALD
Ein Jäger ist sich sicher, ein Wolf habe ihn mehrfach gebissen. Gebissen wurde er tatsächlich, aber von einem ganz anderen Tier.
Klosterneuburg ·

Die österreichische Polizei dementiert die angebliche Wolfsattacke, von der Philipp K. aus Höflein in Niederösterreich den Medien berichtet hatte. Der Jäger war im dunklen Wald bei Klosterneuburg von einem Tier angefallen und mehrfach gebissen worden. Er war überzeugt, das könne nur ein Wolf gewesen sein. Das kann nicht stimmen, teilte die Polizei aus Klosterneuburg am Mittwoch auf Nordkurier-Nachfrage mit.

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Im Wienerwald gebe es keine Wölfe. „Das ist der Speckgürtel von Wien, da fahren jeden Tag Zigtausende Autos, alles voller Menschen, hier leben keine Wölfe”, hieß es von der Polizei. Anhand der Verletzungen des 33-Jährigen, seinen eigenen Erzählungen und den Aussagen anderer Jäger rekonstruierte die Polizei folgenden Hergang: Der Jäger schoss ein Wildschwein an. „Das war aber noch ziemlich lebendig. Ohne Waffe ging der Jäger zum Wildschwein, das hat ihn gebissen.”

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Philipp K. selbst hatte angegeben, das Wildschwein sei tot gewesen. Ein Wolf oder ein Wolfs-Misching habe ihn angegriffen. Durch Schläge und Schreie habe er das Tier verscheucht. Nach dem Vorfall wurden seine Wunden an Beinen und Arm im Krankenhaus behandelt, gesäubert und genäht. Eine ging bis auf den Knochen.

DNA Spuren von Kleidung oder Wunden wurden nicht genommen. „Das ist teuer und bringt nichts. Das ist bei uns nicht üblich. Verletzungen sind Verletzungen und werden versorgt”, so die Polizei.

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Wolf-Schafe-Almwirtschaft

Martin Balluch auf Twitter:
 
Statistik Austria 2019: Der Mensch tötet 3500 Mal so viele Schafe wie der Wolf, das Unwetter/Krankheit 85 Mal so viele, 7,5 % der Schafe auf der Alm sterben ohne Wolf durch Vernachlässigung, 0.09 % durch den Wolf. Wer ist das große Problem?
 
 

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Österreichische Millionenerbin spendet 90 Prozent ihres Vermögens und fordert Reichensteuer

Marlene Engelhorn wird bald zu den reichsten Menschen Österreichs gehören. Allerdings nicht lange. Denn die Millionen-Erbin hat vor, einen Großteil ihres Erbes zu spenden. Im ORF-Gespräch erklärt sie, warum sie sich dazu entschieden hat – und warum sie findet, dass sie stattdessen eigentlich mehr Steuern zahlen sollte.

Die Entscheidung, bis zu 90 Prozent ihres Erbes zu spenden, traf die Germanistikstudentin und angehende Multimillionärin, sobald ihr angekündigt wurde, dass sie von ihrer Großmutter erben würde. „Weil in Österreich Macht und Lebenschancen wahnsinnig ungleich verteilt sind,“ erklärt Marlene Engelhorn im ORF-Gespräch. 1 Prozent der Bevölkerung hält 40 Prozent des Vermögens. Zu diesem einen Prozent wird Engelhorn gehören – „und ich musste dafür nicht arbeiten“, sagt sie. Durch das „Geburtenglück“, reich zu erben, ergebe sich für sie die Verantwortung, ihr Vermögen „radikal zu teilen und einen sinnvollen Beitrag zu leisten“.

Einfluss der Reichen

Marlene Engelhorn spricht aus, wie die Macht der Reichsten auf die Politik Einfluss hat: „Es kann nicht sein, dass in einer Demokratie meine Stimme mehr wert ist als die einer anderen Person, weil ich mir den Einfluss auf die Politik und die Wirtschaft leisten kann“, urteilt sie.

Das Glück, Teil einer vermögenden Familie zu sein und schon vor dem Tod der Großmutter finanziell abgesichert zu sein, nutzt Engelhorn für den guten Zweck. Sie engagiert sich beim LGBTIQ-Verein Hosi, unterrichtet Deutsch, Englisch und Französisch. Zusätzlich ist sie Obfrau eines Vereins, der Menschen in Moldau im Winter mit Holzspenden versorgt.

Quelle: Kontrast.at vom 26.04.2021

 

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Herkunftskennzeichnung

Elisabeth Köstinger Twitter am 17.01.2019:
Um unsere Konsumenten & Landwirte zu stärken, braucht es eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung! Gemeinsam mit dem #BMGF, der #LKÖ & Vertretern unserer Bäuerinnen und Bauern sowie der Wirtschaft erarbeiten wir noch 2019 ein machbares & transparentes System. #IGW2019
 
Elisabeth Köstinger auf Twitter am 20.07.2020:
3. Farm to Fork – „Vom Hof auf den Tisch“ muss endlich dem Namen Rechnung tragen: Kurze Transportwege sind das Ziel. Vor allem braucht es eine Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Produkte in Europa. (3/3)
 

lkonline Landwirtschaftskammer Steiermark 01.02.2019:
Die von der Regierung geplante verpflichtende Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Lebensmittel im Handel und in der Gemeinschaftsverpflegung könnte bereits im nächsten Jahr oder 2021 kommen. Das kündigte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger bei der Wintertagung 2019  in Wien an.  …
Herkunftsgekennzeichnet soll die Hauptzutat eines veredelten Produktes werden, wenn diese mehr als die Hälfte des gesamten Inhalts ausmacht. Diesbezüglich soll es bald Gespräche mit der Lebensmittelindustrie, mit den Sozialpartnern und den Wirtschaftsvertretern geben. Widerstand gibt es von der Nahrungsmittelindustrie, die eine Benachteiligung gegenüber ausländischen Produzenten, einen Mehraufwand und mehr Kontrollen befürchtet. Ebenso soll es zu einer verpflichtenden Auslobung für vegane und vegetarische Produkte kommen, die Herkunftskennzeichnung für bäuerliche Direktvermarkter, Gastronomie und Manufakturen soll hingegen freiwillig sein.

Thomas Waitz auf Twitter am 25.01.2021:
Gegen diese unnötigen #Tiertransporte braucht es bessere Rahmenbedingungen: – Verbot von Langstreckentransporten nicht von Muttermilch entwöhnter Kälber – #Herkunftskennzeichnung für Fleisch, Eier und Milch in der Gastronomie – #Exportverbot von Lebendtieren in Drittstaaten
Gesundheitsminister Rudi Anschober auf Twitter am 27.01.2021:
Mit der in meinem Ministerium ausgearbeiteten Verordnung soll künftig die Herkunftskennzeichnung in der Gemeinschaftsverpflegung für Speisen, die Rindfleisch oder Eier enthalten, verbindlich vorgeschrieben werden.

 

Der Standard
Herkunftskennzeichnung: Die wahre Henne-Ei-Frage

Der neue Vorschlag zur Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln würde heimische Landwirte stärken und die Klimabilanz aufbessern
Kommentar Nora Laufer am 1. April 2021, 17:51

Nicht wer zuerst kam, sondern woher, ist die eigentliche Henne-Ei-Frage. Beim Ei ist das zumindest im Supermarkt relativ einfach: Ob Bio, Freiland- oder Bodenhaltung, und auch das Herkunftsland sind selbst für mäßig geschulte Augen leicht herauszufinden. Schwieriger wird es bei der Henne: Beim marinierten Hendlfilet mit vielen Produktionsschritten wird die Nachverfolgung zur Detektivaufgabe. Gänzlich unmöglich wird es zumeist im Gasthaus. Ist es dem Wirt kein Herzensanliegen, den Ursprung seiner Lebensmittel zu offenbaren, tappen Gäste im Dunkeln. Gleiches gilt für viele Bäcker, Fleischer und für verarbeitete Lebensmittel.

Beim Versuch die Herkunft von Speisen im Gasthaus herauszufinden, tappen Gäste oft im Dunkeln.
Foto: Getty Images/iStockphoto

ÖVP und Grüne haben die Verantwortung hier lange genug hin- und hergeschoben. Nun liegt ein Vorschlag zur Herkunftskennzeichnung auf dem Tisch, die Umsetzung ist längst überfällig. Unterm Strich haben beide etwas davon: Die zusätzliche Angabe würde heimische Landwirte stärken und die Klimabilanz aufbessern, weil weniger energieintensive Produkte aus Übersee nachgefragt würden. Erfährt der Konsument, dass das Rind auf seinem Teller aus der Ukraine stammt und mit brasilianischem Gen-Soja gefüttert wurde, greift so mancher wahrscheinlich doch zum Würstel des steirischen Bauern.

Das Argument des Handels und der Gastronomie, dass Fleisch zum Luxusgut werde, hinkt. Durch die Angabe verschwinden Billighendlhaxen nicht aus dem Regal. Konsumenten erhalten aber eine wichtige Entscheidungsgrundlage. (Nora Laufer, 1.4.2021)

 

Die Presse Online am 25.04.2021:
Wie viel Österreich in “Made in Austria” steckt
Heimische Gütesiegel, die „Österreichische Qualität“ versprechen, sind oft irreführend. Warum steirisches Kernöl aus China kommt und heimische Fischfillets aus Italien.
Dass die FFP2-Masken von Hygiene Austria ursprünglich in China produziert werden, sorgte in den vergangenen Tagen für Irritationen. Die vermeintlich österreichischen Masken sind aber längst nicht die einzigen Produkte, wo Österreich drauf steht, in Wahrheit aber kaum Österreich drinnen steckt. Tatsächlich lässt sich der Ursprung eines Produktes in einer globalisierten Welt mit arbeitsteiligen Fertigungsprozessen in den meisten Fällen eben nicht auf ein bestimmtes Herkunftsland reduzieren. Aber freilich, „Made in Austria“ verkauft sich besser als „Made in China“.

Die rotweißrote Herkunfts-Kennzeichnung schmückt hierzulande mehr Produkte, als es in anderen Ländern üblich wäre. Der Verweis auf den österreichischen Ursprung eines Produktes geschieht häufig durch die Angabe „Made in Austria“ oder das „Austria Zeichen“, das von der Wirtschaftskammer vergeben wird. Dies bedeutet allerdings nicht, dass das Produkt tatsächlich zur Gänze in Österreich gefertigt wurde oder seine Rohstoffe zu 100 Prozent aus Österreich kommen. …

siehe auch:

https://www.derstandard.at/story/2000123605033/warum-strengere-herkunftskennzeichnung-fuer-fleisch-zu-scheitern-droht?ref=rss

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In der Tierfabrik – Einfühlsamer Artikel von Florian Klenk im Falter

“Sind Sie jetzt geschockt?”

Er kastriert Ferkel ohne Narkose und schlägt auf seine Schweine ein. Tierschützer filmen ihn heimlich dabei. Dann erschrickt der Bauer über sich selbst. Zu Besuch bei einem Schweinezüchter, der sich erstmals die Systemfrage stellt

REPORTAGE UND FOTOS: FLORIAN KLENK
 

Das Video ist 26 Sekunden lang. Es zeigt eine Obststeige, gefüllt mit Ferkeln. Männer in Overalls heben sie aus der Kiste und schneiden ihnen den Ringelschwanz und die Hoden ab. Ohne Betäubung. Die Männer sind ruhig und routiniert, sie plaudern, während sie ihr Werk verrichten. Sie wirken, als würden sie Gemüse putzen.

David Richter, ein Aktivist des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), hat das Video zugespielt bekommen und mir gemailt. Normalerweise klicke ich grausame Tierschützervideos weg und verdränge sie. Weil ich aber gerade ein Buch über Bauern schreibe, habe ich genauer hingesehen. Je öfter ich das Video betrachte, je mehr Details ich erkenne, desto ratloser lässt es mich zurück.

Was ist zu sehen? Ein Mann packt die Tiere an den Hinterbeinen, durchtrennt den Ringelschwanz mit einem glühenden Draht. Der Gesetzgeber erlaubt dieses “Kupieren” nur in Ausnahmefällen, etwa wenn Schweine sich aufgrund der Enge im Stall den Schwanz abbeißen. Hier in dieser Halle ist es eng, daher darf das Schwein auch noch verstümmelt werden.

Das Kastrieren: Der Bauer steckt das Ferkel in einen Metallständer, sodass die Schnauze nach unten schaut. Mit einem Skalpell schneidet er den Hodensack auf, schält beide Hoden heraus, wirft sie wie Kirschkerne auf den Boden. Die Ferkel haben höllische Schmerzen, das ist wissenschaftlich erwiesen. Wie Elefanten, Delfine und Primaten können sich Schweine übrigens im Spiegel erkennen, sie sind intelligenter als Hunde.

Der Verein gegen Tierfabriken, vor vielen Jahren zu Unrecht als kriminelle Organisation verfolgt, ist eine bei vielen Bauern regelrecht verhasste Organisation. Das hat einen guten Grund: Der VGT dokumentiert die Hinterbühne der Fleischproduktion, er stellt jene Bilder her, die Agrarindustrie und Supermarktwerbung mit hohem Werbeaufwand von uns fernhalten. Auch das Video, das David Richter schickte, wurde von heimlich versteckten Kameras aufgenommen. Hinter Neonlampen hatten sie Aktivisten mit Kabelbindern fixiert.

Wer in Bauernzeitungen blättert, findet immer wieder Berichte über diese neuen Methoden der Tierwohl-Aktivisten. Manche schwindeln sich als Praktikanten in Betriebe, um dort Kameras zu verstecken. Sie beschädigen nichts, sie stehlen nichts, darum ist ihr Tun auch nicht gerichtlich strafbar, sondern nur als Besitzstörung zivilrechtlich ahndbar. Die ÖVP will diese Form der heimlichen Bildbeschaffung bestraft wissen, die Bauern halten es für einen Eingriff in ihr Privatleben. Im Verwaltungsrecht ist das Betreten der Schweinefabriken durch Unbefugte verboten.

Die Tierschützer aber betonen, ihre Arbeit sei durch die Pressefreiheit gedeckt.

Noch etwas ist wichtig: Der Bauer wird nicht geoutet, seine Familie nicht identifizierend an den Pranger gestellt. Nur so viel gibt der VGT bekannt: Der Mann sei in Jugendjahren Mitglied der ÖVP-Landjugend gewesen. Er habe gegen das Verbot von Kastenständen und Vollspaltenböden demonstriert, jenen mit Exkrementen verunreinigten Betonböden mit Ritzen, durch die Schweine ihren Kot drücken.

Der VGT hat mir nicht nur das Video gemailt, sondern 50 weitere Fotos aus dieser Tierfabrik. Eines zeigt eine rote Mülltonne auf der Rückseite der Halle, sie quillt von toten Ferkeln über. Das Foto zeigt nichts Verbotenes, sondern die staatlich subventionierte Normalität, wie mir Schweinezüchter später erklären. Rund 500 Ferkel jährlich landen allein hier auf diesem Hof im Müll, zehn Prozent Ausschuss, das ist heute die Norm. Man stelle sich vor, das wäre eine Welpenzucht.

Die Körper der weggeworfenen Ferkel sind ein Bild sinnlosen Sterbens. Als ich das Foto auf Facebook poste, wird es von Facebook abgedeckt und mit einer Triggerwarnung versehen, es zeige “Gewalt oder sensible Inhalte”.

Es gibt noch weitere Bilder. Eine Frühgeburt verwest im Kot seiner Mutter, die im sogenannten “Kastenstand” so beengt liegt, dass die Gitterstäbe in den fetten Körper drücken. Ein anderes Tier hat eine faustgroße Eiterbeule am Kopf, eine schmerzhafte Zahnentzündung, wie ich später lerne. Einem Schwein hängen die Gedärme aufgrund eines Bruchs so stark nach unten, dass sie am Spaltenboden streifen.

Die Fotos zeigen aufgerissene Schnauzen, eitrige Klauen, blutige Wunden. Die Neugeborenen verletzen sich gegenseitig im Überlebenskampf, weil die Muttersauen zu wenige Zitzen haben für ihren Wurf, eine Folge von Überzüchtung. Ein Foto, das mir der VGT-Chef Martin Balluch schickt, zeigt eine Schachtel mit dem Hormonpräparat Chorulon, das die Sauen bekommen, damit sie öfter brünstig sind und noch mehr Ferkel werfen. 20 Ferkel pro Sau pro Jahr wurden früher ” produziert”, erzählt mir der mittlerweile zum Veganer bekehrte pensionierte Amtstierarzt Rudolf Winkelmayer. Jetzt sind es 30 Ferkel pro “Gebärmaschine” pro Jahr. Nach vier Jahren ist die Sau ” ausgeschieden”: Die Jungtiere haben zwei Kilo Geburtsgewicht, schon nach drei Monaten Vormast etwa 30 Kilo und nach sechseinhalb Monaten ein Schlachtgewicht von einem Zentner Die Bilder zeigen aber auch die Verrohung des Menschen. Ein Video zeigt den Bauern, wie er ein Schwein tritt und dann mit einem Paddel auf den Kopf schlägt.

Als der VGT all das vorvergangene Woche veröffentlichte, blieb die Diskussion aus, wie immer. Dabei sind zwei Fragen offen: Wieso behandeln wir die Tiere so? Was sagt der Bauer auf dem Video dazu?

Der Hof war nicht schwer zu identifizieren. Der Bauer heißt in dieser Geschichte Johann Meier. Er wollte ursprünglich seinen vollen Namen nennen, dann entschieden wir uns, dass er zum Schutz seiner Kinder anonymisiert wird. Auf Facebook posiert er vor einer fröhlichen Bauernhofkulisse mit seiner Familie. Ich rufe ihn an, er hebt wider Erwarten ab. Er kenne mich aus den Medien, er habe meine Rettungsaktion des Bauernhofs von Christian Bachler und mein Praktikum beim “Wutbauern” verfolgt.

Ich frage ihn: “Reden wir?” Er sagt: “Reden wir.”

 

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Zweite Chance für Hanf Der Standard 23.04.2021

Zweite Chance für Hanf

Auf dem Koaserer Hof in Tirol wollen drei junge Leute ihren Teil zum Comeback der Nutzpflanze Hanf auf Österreichs Feldern beitragen. Mit Hanf lässt sich nämlich nicht nur kochen, sondern auch besonders umweltfreundlich bauen. Reportage: Fabian Sommavilla
 
 
 
 
 
 

In blauen Overalls, mit langen lockigen Haaren, tattoowierten Körpern und mit Tschick im Mund graben Julia, David und Vinzenz von Hand einen ganzen Acker mühevoll um, nur um dort kiloweise Hanf einzusäen. Ein paar Wochen später sprießen die ersten Stauden aus dem Boden, nach drei Monaten wird der geerntete Hanf auf einem ausrangierten Feuerwehrauto abtransportiert. All das spielt sich für jedermann einsehbar mitten im konservativ-bürgerlichen Tirol ab, umgeben vom Wilden-Kaiser-Massiv, dort, wo in jedem Herrgottswinkel ein Kruzifix hängt, wie um aufzupassen, dass bloß niemand auf blöde Ideen kommt.

Das Kommando Hanf getaufte Kollektiv hat mit vielem gerechnet, nicht aber mit derart viel Offenheit, Neugier und Hilfsbereitschaft für ihr Projekt einer Hanfplantage. „Im Endeffekt haben vielleicht sogar wir ein Stück weit mehr Vorurteile gehabt, als uns letzten Endes entgegengebracht wurden“, sagt David Troppmair vom Hanf-Trio, das sich ein großes Ziel gesetzt hat: die Renaissance einer Pflanze, die Wiedergeburt eines Krauts, das so viel mehr kann, als für ein High zu sorgen.

Wer zur richtigen Zeit am Koaserer Hof in Kössen vorbeischaut, bekommt schon einmal eine Portion frischer Hanf-Pesto-Spaghetti oder vom smaragdgrünen Likör ab, man will schließlich alle Teile der Pflanze verwerten. Dem Trio geht es aber nicht um die Kultivierung von Hanf als Genuss- oder Lebensmittel, sondern primär um dessen beeindruckende Fähigkeiten als Baustoff. Dafür eignen sich die extra gezüchteten Nutzpflanzen, die ohne den berauschenden Wirkstoff THC und mit verschwindend geringer Menge CBD auskommen, hervorragend.

 

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Zeitschrift- und Online-Medium “Falter” seriös,innovativ und zeitkritisch

Die 1977 gegründete, mit mehreren Auszeichnungen prämierte, unabhängige Wochenzeitschrift Falter erscheint jeden Mittwoch.
Unter den Chefredakteuren Armin Thurnher und Florian Klenk werden zusätzlich zur Print- und Online-Ausgabe “Der Falter” mehrere Newsletter angeboten, seit 26. März ganz neu der von Herrn Benedikt Narodoslawsky gestaltete, sehr informative Nachhaltigkeits-Newsletter falter.natur.

Als Leseprobe wird der am 04.04.2021 erschienene FALTER:natur #3 vorgestellt:

https://www.falter.at/zeitung/20210413/gelingt-das-rot-weiss-rote-wunder

Die Leitartikel von Herrn Armin Thurnher sind jedesmal ein Erlebnis.

Herr Florian Klenksetzt sich unermüdlich und kritisch für die Behebung von politischen Missständen ein.
Unter vielen Themen wie Flüchtlingsfragen, Innenpolitik erlangte er Aufmerksamkeit, als er unkonventionell beim Bergbauern Christian Bachler am Hof mitarbeitete und erfolgreich eine Spendenaktion für den überschuldeten Hof initierte.
Nunmehr gehen ihm die Missstände bei den Massentierhaltungen unter die Haut, er führte ein stundenlanges Gespräch mit einem Schweinehalter und wird die Inhalte in kürze veröffentlichen.

Man darf gespannt sein!

Falter Nr. 16/21:
“Die verpasste Chance”
“Sind Sie jetzt geschockt”

 

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