Lebensräume

Wölfe behalten Scheu in menschlicher Nähe

„Vorstadtwölfe“ fürchten sich laut einer Studie genauso vor Menschen wie ihre Artgenossen in entlegenen Wäldern. Schon der Klang einer Stimme lässt die Tiere oft Reißaus nehmen. Ein Leben in der Nähe von Menschen nimmt ihnen also nicht ihre natürliche Scheu. Sie wissen offensichtlich, dass die Welt der Zweibeiner für Wildtiere gefährlich ist.

ORF-Online v. 16.02.2026

Ein Team um die Wiener Verhaltensforscherin Sarah Marshall-Pescini vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien beobachtete in der Toskana (Italien) mit Wildkameras die Reaktionen von 185 Wölfen auf unbekannte Gegenstände und menschliche Stimmen. Der Ergebnisse sind nun im Fachmagazin „PNAS“ erschienen. Manche der getesteten Tiere halten sich für gewöhnlich in der Nähe von vielen Menschen auf, wie etwa am Ortsrand der Stadt Arezzo mit knapp hunderttausend Einwohnern, erklärt Marshall-Pescini: „Dort leben sie in einem Gebiet mit einem Flickenteppich aus Ackerland, Industriegebäuden und Wohnhäusern.“ Andere sind in entlegenen Wäldern zuhause.

 

Mehr als jeder dritte Wolf ergriff die Flucht, wenn er eine menschliche Stimme (von einem Tonband) hörte, egal ob er ein „Vorstadtwolf“ oder „Landwolf“ war. Fast immer verursachte dieser Laut deutliche Zeichen von Angst, wie die Forscherin anhand ihrer Körpersprache erkennen konnte.

Weniger Angst vor Neuem

Gegenüber unbekannten Gegenständen zeigten Stadtwölfe weniger Scheu als Landwölfe. „Dabei handelte es sich um Plastikspielzeug für Kinder, das wir auf Stäben befestigten“, so Marshall-Pescini. Zum Beispiel Schweinchen und Sandspielkübeln. Waren auf solch einem Stab statt eines Spielzeugschweins und -kübels auf einmal eine Plastikente und -schaufel, verhielten sich die suburbanen Wölfe aber vorsichtiger als die Tiere aus ländlichen Regionen.

Die Anpassung an Gebiete mit vielen Menschen verringert also einerseits ihre „Neophobie“, also Angst vor Neuem, erklären die Forscherinnen und Forscher in der Fachpublikation: Gleichzeitig werden die Tiere dort aufmerksamer und vorsichtiger gegenüber Umweltveränderungen. Damit verringern sie wohl potenzielle Risiken, die die menschliche Umgebung für sie bereithält. Die Anwesenheit von Artgenossen linderte zudem die Ängste der Tiere: Wölfe in Gruppen reagierten in der Regel weniger scheu als einzelne Wölfe.

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Ernährungspyramide vor dem Umbau

Andreas Gutschi/Der Standard v. 11.03.2024

Maximal 300 Gramm Fleisch pro Woche, ein Ei, dafür mehr Hülsenfrüchte – das wird ab sofort in Deutschland offiziell empfohlen. Auch in Österreich stehen die Ernährungsempfehlungen vor einer Veränderung.


Zum Frühstück ein Buttersemmerl mit weichem Ei, zu Mittag eine Portion Reisfleisch und abends Schwarzbrot mit Verhackert. Dazwischen vielleicht noch ein Apfelstrudel. Das klingt doch nach einem soliden österreichischen Speiseplan.

Aber was hierzulande traditionell auf dem Teller landet, ist nicht automatisch die beste Wahl für Mensch und Umwelt. Wir essen tendenziell zu viel Fleisch und Milchprodukte, dafür zu wenig Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte. Eine andere Ernährungsweise täte dabei nicht nur der Gesundheit gut, man würde sich auch ressourcenschonender ernähren – und das wäre wiederum gut für den Planeten.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat deswegen nun ihre Ernährungsempfehlungen angepasst. Die empfohlene Menge an Fleisch und Wurst wurde von wöchentlich bis zu 600 Gramm auf maximal 300 Gramm herabgesetzt. Das Frühstücksei sollte man nur mehr einmal pro Woche genießen – statt wie bisher dreimal. Dafür empfiehlt die DGE mehr Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen.

Auch in Österreich wird die klassische Ernährungspyramide immer kritischer beäugt. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) empfiehlt derzeit noch 300 bis 450 Gramm Fleisch pro Woche und drei Eier wöchentlich.

Drei Viertel pflanzlich

Das finden viele aber nicht mehr zeitgemäß. Die Umweltschutzorganisation WWF etwa hat vergangenes Jahr im Rahmen einer Studie die „Ernährungspyramide 2.0“ vorgestellt. Julia Kreimel, Umweltökonomin an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), war an der Studie beteiligt. „Die Ernährungspyramide 2.0 orientiert sich an den bestehenden Ernährungsempfehlungen, berücksichtigt aber auch den ökologischen Fußabdruck von Lebensmitteln und die Ernährungsgewohnheiten in Österreich“, erklärt sie.

Für diese umweltverträglichen Empfehlungen hat man sich am Konzept der Planetaren Grenzen orientiert. Dieses beschreibt eine Lebensweise, die die ökologischen Grenzen des Planeten berücksichtigt – immerhin sind Ressourcen wie Boden, Süßwasser und saubere Luft nicht unendlich. Daraus ist die Planetary Health Diet entstanden.

Kreimel und ihr Team haben deren Vorgaben an österreichische Voraussetzungen angepasst: Etwa drei Viertel der Ernährung sollten aus pflanzlichen Quellen stammen. Die Ernährungspyramide 2.0 empfiehlt außerdem nur maximal eine Portion Milchprodukte täglich.

Diese Mengen klingen zunächst nach rigorosem Verzichtprogramm. Doch das liegt eher im Auge des Betrachters, tatsächlich sind sie sehr gesund. „Es gibt keine gesundheitlichen Gründe, warum man mehr tierische Produkte essen sollte“, sagt Michaela Knieli. Sie ist Ernährungswissenschafterin bei der Organisation Die Umweltberatung und weiß: „Umweltschutz und Gesundheit gehen Hand in Hand. Mehr von der Pflanze und weniger vom Tier lässt uns länger und gesund leben.“ Offiziell wird eine stärker pflanzenbasierte Ernährung in Österreich noch nicht empfohlen. Die Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) arbeitet aber bereits an neuen Ernährungsempfehlungen. Sie sollen noch dieses Jahr veröffentlicht werden. Inwieweit Umweltfaktoren darin berücksichtigt werden, bleibt abzuwarten.

Das neue „traditionell“

Konsumentinnen und Konsumenten machen sich indes immer mehr Gedanken über umweltbewusste Ernährung. In einer repräsentativen WWF-Umfrage aus dem Jahr 2021 waren sich 57 Prozent der Befragten bewusst, dass unsere Ernährung negative Auswirkungen auf die Umwelt hat. 45 Prozent gaben aber an, dass sie nicht wüssten, welche Lebensmittel den Planeten schonen würden.

Die Planetary Health Diet ist da ein guter Anhaltspunkt. „Sie holt die Menschen dort ab, wo sie sind. Nicht jeder möchte sich völlig vegan ernähren“, sagt Ernährungswissenschafterin Knieli. Für sie sei ohnehin der Weg das Ziel. „Ich experimentiere mit neuen Rezepten und frage mich bei jeder Mahlzeit, was ich durch ein pflanzliches Produkt ersetzen könnte.“ Linsen mit Knödeln versorgen uns zum Beispiel mit guten Nährstoffen – und schmecken auch ohne Speck. Die traditionelle Küche ist also nicht ganz verloren.

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Heumilchwirtschaft ist Weltkulturerbe – tirol.ORF.at

https://tirol.orf.at/stories/3248204/ 09.03.2024

Heumilchwirtschaft ist Weltkulturerbe

Die Vereinten Nationen haben die heimische Heuwirtschaft als erstes „landwirtschaftliches Kulturerbe“ von globaler Bedeutung im deutschsprachigen Raum anerkannt. Samstagnachmittag gab es dazu einen Festakt in Salzburg. Die Arbeitsweise hat in Tirol einen großen Stellenwert.

Die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, würdigt landwirtschaftliche Systeme, die seit Generationen von Bäuerinnen und Bauern entwickelt wurden, um Lebensmittel bereitzustellen, alte Traditionen zu bewahren und natürliche Ressourcen zu schützen.

 

Für das Weltkulturerbe sind bestimmte Kriterien zu erfüllen: Es muss ein einzigartiges landwirtschaftliches Produktionssystem sein, das räumlich abgegrenzt und dessen Erhalt für die Zukunft essenziell ist. Als Voraussetzung gilt unter anderem der geschichtliche Hintergrund eines Gesamtsystems, das sich ständig weiterentwickelt. „Ein landwirtschaftliches Weltkulturerbe muss eine weltweite Bedeutung als Modell für eine nachhaltige Landwirtschaft haben, die ein wertvolles Erbe darstellt. Die traditionelle Heuwirtschaft im österreichischen Alpenbogen erfüllt diese Kriterien in herausragender Weise. Sie gilt als das erste landwirtschaftliche Weltkulturerbe im deutschsprachigen Raum“, sagt Yoshihide Endo von der FAO beim Festakt in Salzburg mit rund 800 Gästen.

Verleihung Weltkulturerbe Heumilch Salzburg
ARGE Heumilch
Yoshihide Endo (FAO), Karl Neuhofer (Obmann ARGE Heumilch), Christiane Mösl (Geschäftsführerin ARGE Heumilch) und Bundesminister Norbert Totschnig (ÖVP) (v.l.n.r.)

Tirol als Vorreiter in Sachen Heumilch

Die Heumilch ist als Weltkulturerbe gleichauf mit dem Parmaschinken oder dem Champagner. Mitorganisiert wird das Erfolgskonzept von Innsbruck aus. Die ARGE Heumilch hat hier ihren Sitz. Die Heumilchwirtschaft ist die ursprünglichste Form der Milcherzeugung. Heumilchkühe bekommen frische Gräser und Kräuter im Sommer und Heu im Winter. Auf vergorene Futtermittel wie Silage wird gänzlich verzichtet. Als Basis gilt Dauergrünland, also Wiesen, Weiden und Almen, die auf natürliche Weise mindestens fünf Jahre ohne einen Umbruch zu einem Acker für die Futtergewinnung genutzt werden.

Die ARGE Heumilch…

…vereinigt ca. 7.000 Heumilchbäuerinnen und Bauern, sowie mehr als 70 Molkereien, Käsereien, Sennereien und Vermarkter in Österreich und dem Allgäu. Die Mitglieder der ARGE arbeiten nach strengen Normen, deren Einhaltung von unabhängigen, staatlich zertifizierten Stellen kontrolliert wird. Aktuell werden pro Jahr ca. 590 Millionen Kilogramm Heumilch gesammelt.

Dazu kommen einige weitere Qualitätsvorgaben. Tirol ist bei der Heuwirtschaft stark vertreten, sagt die Geschäftsführerin der ARGE Heumilch, Christiane Mösl. Was die Menge betreffe, ist „Tirol das stärkste Heumilch-Bundesland. Unsere Verarbeiter sammeln rund 158 Millionen Kilogramm, fast 50 Prozent der gesamten Milchmenge falle in Tirol auf Heumilch.“

Heumilch vor allem für die Käserei

Heumilch hat seit dem Jahr 2016 einen in ganz Europa geltenden Produktschutz. Dazu kommt das österreichische Heumilch-Regulativ. Dass die Wirtschaftsweise bis heute praktiziert wird, sei nicht nur den kleinen Strukturen mit familiengeführten Höfen in den Bergregionen, sondern vor allem der großen Käsetradition zu verdanken. Christiane Mösl: „Wir kommen ganz klassisch aus dem Käsebereich, weil Heumilch die Spezialmilch für die Käserei ist. Sie hat eine sehr hohe Güte, um daraus Rohmilch-Hartkäsespezialitäten wie einen Tiroler Bergkäse zu produzieren.“

Von der am Samstag gefeierten Würdigung erwartet man sich viel: „Wir bekommen dadurch natürlich auch internationale Sichtbarkeit und werden die Heumilch mit dieser Auszeichnung wieder über die Grenzen hinaus bekannter machen können“, sagt die Geschäftsführerin der ARGE Heumilch, Christiane Mösl.

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