Green Deal schmeckt den Bauern gar nicht

Hans Gmeiner in der Salzburger Nachrichten am 21.01.2021

WIEN. “Wir sind auf jeden von euch angewiesen, um mit innovativen Ideen und dem Willen zu Veränderung den europäischen Green Deal auch für die Landwirtschaft zum Antriebsmotor zu machen.” Nicht einmal die Tatsache, dass EU-Kommissar Johannes Hahn bei der diesjährigen Agrar-Wintertagung des Ökosozialen Forums die Bauern bei der Ehre zu nehmen versuchte, vermochte bei den heimischen Agrariern zu verfangen.

 

Mit dem EU-Ökologisierungskonzept, das für die Landwirtschaft  massive Beschränkungen bei der Nutzung der Flächen, aber auch bei Düngung und Pflanzenschutz bedeuten würde, kann man sich nicht so recht anfreunden. “Wir unterstützen den Green Deal ja grundsätzlich”, sagte Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger bei der heuer online durchgeführten Tagung. “Aber wenn ich einerseits durch immer höhere Auflagen die Erzeugung beschränke, gleichzeitig aber das Mercosur-Freihandelsabkommen mit Südamerika abschließen will, wo nicht nach Düngung und Pflanzenschutz gefragt wird, dann geht sich das nicht aus.” In der EU-Kommission wisse “anscheinend die linke Hand nicht, was die rechte tut”.

Noch deutlicher wurde Stephan Pernkopf, Präsident des Forums und Agrarlandesrat in Niederösterreich. “Der Green Deal verkennt die Zeichen der Zeit und schwächt die Selbstversorgung.” Weniger Produktion in Europa bedeute mehr Importe aus anderen Erdteilen und damit auch eine höhere Umweltbelastung. Die Agrarproduktion in der EU würde laut einer Studie des US-Landwirtschaftsministeriums um zwölf Prozent, die Bauerneinkommen gar um 16 Prozent sinken.

Anmerkung von Legner:

Herr Stefan Pernkopf greift sehr tief in ein Untergangsszenario mit folgenden Sätzen:
“Falsch verstandene (gemachte) Blühstreifenpolitik führt eventuell zu Kondensstreifen durch Lebensmittel-Transporte. Gefahr der Verlagerung der Lebensmittelerzeugung in emissionsintensivere Gebiete.
Green deal gefährdet  eventuell die Selbstversorgung. Alles  was nicht in Österreich produziert  wird, verschlechtert die Qualität.” Er zitierte eine Bäurin, die den Ausdruck “Glumpert” verwendete. “Green deal soll nicht Feuer in S-Amerika verursachen.”
Er missachtet den Weltagrarbericht und behauptet einfach zur Freude der Agrarindustrie: “GAP ohne Dünger  und Pflanzenschutz ist unrealistisch und kann zu weniger Produktion führen.”

Die deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner formulierte die deutschen Ziele sehr verworren und zwiespältig:
Neben der Produktion von Lebensmittel, der Stärkung der regionalen Produktion, des Binnenmarktes sollen grenzüberschreitende Versorgungsketten, Exporte und der Weltmarkt beachtet werden!
(Anmerkung: Ein Widerspruch, für die lokale Versorgung und den Weltmarkt zu produzieren! Haben wir nicht schon mit Kraftfutter und Soja Überschüsse auf Kosten der globalen Südländer genug?)

Die österreichische Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus Frau Elisabeth Köstinger sprach einerseits von Tierwohl, verurteilte Tiertransporte prangerte gleichzeitig die “verbrecherischen Stalleinbrüche” an. https://alpwirtschaft.com/2020/05/25/tierschuetzerkritik-an-ama-guetesiegel-fuer-heimische-schweinehaltung/
Immer wieder wurde von ihr und anderen Diskussionsteilnehmern auf das AMA-Gütesiegel und dem regionalen Einkauf hingewiesen.
Anmerkung: Sie müsste wissen, dass dies einerseits großteils ein Marketingsiegel ist und andererseits Regionalität nichts über die Qualität aussagt.

Den ansonsten geschätzten Präsidenten der Landwirtschaftskammer Österreich Herrn Josef Moosbrugger fiel bezüglich Herkunftsbezeichnung nichts besseres ein, als auf “die völlig unbefriedigende Lage  für die Landwirtschaft  hinzuweisen, weil Hr. BM Rudolf Anschober weder tätig ist, noch das Regierungsprogramm umsetzt”.
Anmerkung: Als wenn Herr Anschober derzeit nichts besseres zu tun hat, da muss sich schon Landwirtschaftskammer, Bauernbund und Riffeisen samt Wirtschaftsbund selber kümmern.


Zusammenfassend muss festgestellt werden, dass der Eröffnungstag der heurigen Wintertagung fachlich bescheidene Kurzvorträge mit wenig Innovationen enthielt und gleichzeitig von den Vortragenden Schreckgespenste an die Wand gemalt wurden.
In den nächsten Tagen kann es nur besser werden.

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